11.

Apr

Palmen im Museum

Bräuche im Allgäu an Ostern

Simone Zehnpfennig

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experten-autor

Endlich Frühling, endlich Ostern! Raus ins Freie und die Sonne genießen. Manch einer nützt die Sonne und den Schnee in Hochlagen der Allgäuer Alpen zum Skifahren, die anderen setzten sich aufs Rad und viele freuen sich aufs Wandern. Egal wie man unterwegs ist, Einkehrmöglichkeiten gibt es genug. Eine Übersicht an geöffneten Hütten findet sich zum Beispiel unter www.alpgenuss.de

Ostern ist die Zeit des Aufbruchs. Die Christenheit feiert die Auferstehung Jesus und die Natur erwacht zum neuen Leben. All dies passiert nicht zufällig, denn das Fest wird nach dem ersten Frühlingsvollmond bestimmt. Damit feiern wir Ostern frühestens  am Sonntag nach dem 21. März und spätestens am 25. April.  Wie wichtig dieses hohe Fest ist, zeigt sich an den vielen Osterbräuchen, die heute noch wie viele andere Bräuche im Allgäu lebendig sind.

Bräuche im Allgäu: der Palmsonntag

Franziska Wacker beim Erstellen des traditionellen  Palmboschen im Bauernhofmuseum Illerbeuren

Der Palmsonntag ist einer der gelebten religiösen Bräuche im Allgäu und läutet als letzter Sonntag vor Ostern die Karwoche ein. Man erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, der mit Palmzweigen als Fürst des Friedens und der Gerechtigkeit geehrt wurde. Auch heute noch erinnern Gläubige an diesen Brauch: Vielerorts werden sogenannte Palmen oder Palmboschen gebunden: Da es nördlich der Alpen keine Palm- und Olivenzweige gibt, behilft man sich mit anderen immergrünen Zweigen. Sie enthalten sieben verschiedene Pflanzen: Buchs, Thuja, Tanne, Fichte, Weidenkätzchen, Eibe, Wacholder.

Vom heimischen Grün zum Palmen

Verschiedenes Immergrün für Palmen

Im Allgäu finden sich zwei Formen der Palmen: eine gotische, länglich-ovale Form so wie die barocke, eine große runde Form. Hinzu kommt die Palmbrezel, das typische Gebildebrot, welches in früheren Zeiten von den Paten für das Patenkind gebacken wurde. Dies bestand im Gegensatz zum normalen Gebäck nicht aus Roggen-, sondern aus dem teureren Weißmehl und anstelle Salz ist die Brezel mit Zucker bestreut. Die geweihten Palmbuschen bewahren Haus und Hof vor Schaden. Geweihte Palmkätzchen werden dem Vieh verfüttert um auch für sie den Segen zu erbitten. So findet man im Herrgottswinkel ebenso kleine Palmzweige wie die großen, barocken Buschen vor dem Haus.

Das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren bietet übrigens jährlich Palmbuschenbinden an; man kann auch nur zuschauen und gerne einen „Palmen“ gegen Spende mit nach Hause nehmen.  Auch die anderen Freilichtmuseen wie das Bergbauernmuseum in Diepolz oder das Bauernhausmuseum in Wolfegg bieten Kurse an wie Eier färben mit Naturmaterialien oder das Sticken einer Auferstehungsfahne fürs Osterlamm. Das ganze Jahr über finden sich Kurse über im Bräuche im Allgäu, ein Blick auf deren Seiten lohnt immer.

Kinder im Museum zur Palmweiihe

Kinder bei der Palmweihe

Die Osternacht

Kleine Osterfeuer neben der Sakristei spenden Licht. Am Feuer wird die Osterkerze entzündet, welche  in die dunkle Kirche mit den dort wartenden Gläubigen getragen wird. Diese eine Flamme der Osterkerze wiederum entzündet die Kerzen aller, bis die Kirche im Kerzenlicht feierlich erstrahlt. Für diese Ostermesse werden Osterbrot und Osterlämmer gebacken und natürlich Eier gefärbt. Das mit der Auferstehungsfahne versehene, schön verzierte Osterlamm, manchmal auch ein Osterbrot, wird zusammen mit Ostereiern im Korb in die nächtliche Messe gebracht. Dort werden sie dann geweiht.

Neben Osterlämmern und bunten Eier isst man am Ostersonntag auch Hefegebäck

Nach der Messe ist es endlich so weit, die Fastenzeit ist vorbei! Auf diesen Moment haben wir in der Familie gewartet: Noch in der Nacht wird das Osterlamm angeschnitten und die ersten Ostereier gegessen. Das unterliegt aber  einem Ritual, denn am meisten Spaß haben wir heute noch beim Ostereierköpfen: Jeder sucht aus seinem Korb das Ei, welches wohl die meisten Chancen auf einen Sieg hat. Ein Sieger-Ei verfügt über eine möglichst ausgeprägte Spitze. Nun werden die Eier von der Faust umschlossen, bis nur die Spitze herausschaut. Und dann wird ausgeholt und Spitze schlägt auf Spitze.  Ein Ei bekommt auf jeden Fall Risse in der Schale, und die noch unversehrte Seite wird gegen die andere noch heile Seite des Gegners geklopft.  Auf jeden Fall hat derjenige gewonnen, dessen Ei noch ganz geblieben ist. Pech nur, dass man nun kein Ei essen kann, da heißt es einen neuen Gegner suchen! Denn das Sieger-Ei darf man natürlich nicht essen.

Stresstest fürs Osterei - eine Gaudi

Der Härtetest fürs Osterei

 

Hier unser Rezept fürs Osterlamm:

4 Eier getrennt, 200 g echter Vanille- Zucker, 4 EL Wasser, 200 g Mehl, 2 TL Backpulver, Puderzucker zum Bestäuben. Aus den angegebenen Zutaten einen Biskuitteig herstellen und  in einer gut gefetteten Osterlamm-Form backen. Nach dem Erkalten dick mit Puderzucker bestäuben und zuletzt mit der Fahne versehen.

 

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