27.

Okt

Kloster-Runde Radfahren Kaufbeuren Ostallgäu Herbst

Kloster-Runde im Allgäu: Herbstliche Radtour rundum Kaufbeuren

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Ich ziehe mein Halstuch noch ein wenig weiter hoch und hüpfe von einem Bein auf das andere. Ich schaue auf mein Handy, um den Startpunkt der Route zu finden. Die Wetter-App zeigt zwei Grad an. Ich stehe mit meinem Rad am Bahnhof in Kaufbeuren, im nördlichen Ostallgäu. Hier beginne ich die Radroute Kloster-Runde.

Nebliger Morgen in Kaufbeuren

Sonniges Herbstwetter war vorhergesagt. Ich sehe, dass die Sonne ihr Bestes gibt, aber auf den ersten Kilometern fahre ich noch durch den tief hängenden Nebel. Da frieren mir fast die Finger ab, aber der Bärensee sieht so besonders geheimnisvoll aus. Ein Haubentaucher schwimmt durch die weißen, über der Wasseroberfläche hängenden Nebelflecken und taucht dann unter. Ich radle weiter entlang der Wertach zum nächsten See: dem Bachtelsee. Wie der Bärensee ist auch dieser ein Stausee in der Wertach. Zusammen bilden die Seen und die Umgebung ein wichtiges Refugium für heimische Wasservögel. Auch Biber haben sich hier in den letzten Jahren angesiedelt. Abgesehen von ein paar Schwänen habe ich heute nicht so viel Glück bei der Vogelbeobachtung. Womit ich Glück habe: Die Sonne bricht durch die Wolken. Und so habe ich am Seeufer den ersten tollen Blick auf die Gipfel der Alpen.

Bachtelsee Kaufbeuren Radtour Allgäu Herbst

Bärensee Kloster-Runde Kaufbeuren Radfahren Ostallgäu

Allgäuer Sagen und Legenden

Weiter geht es auf kleinen, unbefestigten Waldwegen nach Biessenhofen. An den Farben des Waldes ist deutlich zu erkennen, dass der Herbst nun wirklich im Voralpenland angekommen ist. Es ist eine wunderbare Zeit, um im Ostallgäu zu radeln: Die Natur ist wunderschön und die Radwege sind angenehm ruhig. Rund um den Ort Biessenhofen komme ich mehrmals an einem Sagenort vorbei. Viele Mythen und Sagen sind über diesen Teil des Ostallgäus bekannt. Zum Beispiel über Tiere, die am Heiligabend sprechen, über Mang vom Schimmelhof, der tagelang mit einem Stier kämpfte, und über den kleinen Widder, der in Bidingen eine Kirche baute. Wer spannende und manchmal auch gruselige Märchen mag, sollte unbedingt bei den Informationstafeln entlang des Radweges anhalten.

Kloster-Runde Radfahren Kaufbeuren Ostallgäu Herbst

Atemberaubende Alpenblicke und historische Highlights

Mit einem fantastischen Blick auf die Alpen in der Ferne fahre ich über glatten Asphalt nach Apfeltrang. Bisher ging das Radeln fast von alleine, doch hier muss ich kräftig in die Pedale treten, um den ersten richtigen Anstieg zu bewältigen. Zwar befinde ich mich hier im Alpenvorland, aber auf der Kloster-Runde macht man immerhin gut 400 Höhenmeter. Und diese Höhenmeter haben auch einen Vorteil: Bergab scheine ich über den Radweg zu fliegen. Links und rechts des Weges stehen bunt gefärbte Herbstbäume. Bis Friesenried kann ich fast ständig die Konturen der Berge in der Ferne sehen. Dank des klaren Herbstwetters kann ich sogar einzelne Berggipfel der Ammergauer und Allgäuer Alpen erkennen. Nach etwa der Hälfte der Strecke muss ich den Bergen leider den Rücken kehren. Aber keine Sorge, denn die zweite Hälfte der Strecke hält einige historische Highlights bereit. Der erste erwartet mich in Eggenthal. Auf einer kleinen Anhöhe am Rande des Ortes steht die Wallfahrtskapelle Maria Seelenberg. Der Legende nach errichtete eine Gruppe von Kindern 1645 an dieser Stelle eine bescheidene Kapelle aus Holz und Stein, die nach 30 Jahren verfiel. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kapelle immer wieder renoviert und ergänzt. Ich habe Glück: Die Kapelle ist geöffnet und ich kann die beeindruckende Kuppelmalerei bewundern.

Marien-Seelenkapelle Eggenthal Allgäu

Keine Kloster-Runde ohne… Klöster!

Von Eggenthal aus schaffe ich gemütliche Kilometer im nördlichen, flacheren Voralpenland des Ostallgäus. Ich radle durch Wiesen und Wälder. Ab und zu sehe ich einen Raubvogel elegant durch die Luft kreisen. Ich versuche, sie an ihren Flügeln zu erkennen und bin mir zumindest sicher, einen Rotmilan, Falken und Bussard gesehen zu haben. Nach etwa vierzig Kilometern erreiche ich Irsee, eine kleine Gemeinde in der Nähe von Kaufbeuren. Hier befindet sich ein besonderes Bauwerk, das unter anderem der Kloster-Runde ihren Namen gibt: das Kloster Irsee. Das Kloster wurde Ende des 12. Jahrhunderts unter der Leitung von Markgraf Heinrich von Ronsberg-Ursin gegründet. Ursprünglich auf einem Berg erbaut, wurde es einige Jahre später wegen Wassermangels an seinen heutigen Standort verlegt. Die Säkularisation in den Jahren 1802 und 1803 führte zur Aufhebung des Klosters. Im Jahr 1849 wurde in dem imposanten Gebäude die erste psychiatrische Einrichtung in Schwaben eröffnet, in der humanere Behandlungsmethoden eingeführt wurden. Als Ende des 20. Jahrhunderts auch die psychiatrische Einrichtung geschlossen wurde, wurde der Klosterkomplex restauriert und zu einem Bildungszentrum mit dem Schwerpunkt der psychiatrischen Ausbildung umgestaltet. Das Kloster Irsee fungiert heute als Tagungszentrum, Kultur- und Bildungsstätte.

Die ehemalige Klosterkirche ist täglich bis 18:00 Uhr zugänglich, das Kloster selbst nur mit einer Führung. Also gehe ich noch kurz in die Kirche. Wow, die riesigen Säulen mit Stuckdekorationen, die Malereien an der Decke, die Kanzel in Form eines goldenen Schiffes… staunend gucke ich mir alles an. Bevor ich weiterfahre, mache ich noch eine kurze Pause in der Klosterbrauerei, in der noch auf traditionelle Weise Bier gebraut wird.

Kloster Irsee Ostallgäu Radtour Herbst

Kloster Irsee Kirche Ostallgäu

Klosterbrauerei Irsee Ostallgäu

Die Klostergeschichte von Kaufbeuren

Von Irsee radle ich eine gute halbe Stunde nach Kaufbeuren. Ein letzter Anstieg und dann rolle ich entspannt in die Innenstadt. Dort lasse ich mein Rad erstmal stehen und schlendere durch die engen Gassen von Kaufbeuren. Du weißt wahrscheinlich, wie ein Kind eine mittelalterliche Stadt zeichnet? Mit vielen kleinen Häusern, einer Kirche und einer großen Mauer drum herum? So ungefähr sieht Kaufbeuren aus. Die farbenfrohen Fassaden der Reihenhäuser kontrastieren mit dem Grau des Kopfsteinpflasters. Durch kleine Gassen gehe ich von einer Straße zur anderen. Eine der Gassen führt mich in den Garten des Crescentia-Klosters. Die Geschichte des Franziskanerklosters reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück.  Jahrhunderte später wurde es nach Maria Crescentia Höss benannt, die im Kloster lebte und im 18. Jahrhundert Oberin wurde. Von weit her kamen die Menschen zu ihr, um Rat zu suchen. Das Kloster beherbergt eine Gedenkstätte für diese Frau, die erst 2001 nach einem Prozess von fast zwei Jahrhunderten heiliggesprochen wurde. Die Gedenkstätte kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden, und die Klosterkirche und der Klosterladen sind in der Regel werktags geöffnet.

Kloster Kaufbeuren Allgäu Radfahren

Der Klostergarten: eine grüne Oase der Ruhe in Kaufbeuren

Am Hang gegenüber dem Eingang zur Klosterkirche befindet sich der ehemalige Versorgungs- und Klostergarten. Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde der Garten in einen malerischen Park mit einheimischen und exotischen Pflanzenarten umgestaltet. Er ist eine Oase der Ruhe und des Grüns mitten in der Stadt Kaufbeuren. Ich steige auf schmalen, verwinkelten Wegen zwischen den Kräutern, Blumen und Bäumen hinauf. Kurz bevor ich den Garten an der alten Stadtmauer verlasse, kommt ein weiterer schöner Aussichtspunkt mit einer Bank. Der perfekte Ort, um die heutigen Erlebnisse in Ruhe zu genießen, bevor ich durch das gemütliche Stadttreiben zurück zum Bahnhof radle.

Klostergarten Kaufbeuren Aussicht

Die Kloster-Runde im Ostallgäu: praktische Infos

  • Länge: 48,5 km
  • Radfahrzeit: 3,5-4 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Höhenmeter: ↗ 406 m  ↘ 406 m
  • 82% Asphalt und 18% befestigte Feld- und Waldwege

Mehr (Herbst-)Radeln im Ostallgäu

Für Radbegeisterte hält das Ostallgäu unzählige Möglichkeiten bereit. Auf 13 Tages- und einer Mehrtages-Radroute können Radbegeisterte die atemberaubende Natur des Schlossparks in ihrer ganzen Pracht erkunden. Die RadReiseRegion Schlosspark im Allgäu bietet ein hochwertiges Radwegenetz und eine gute Beschilderung. Nicht umsonst ist das Ostallgäu eine RadReiseRegion. Wer die Ruhe sucht, wird sie auf den Radwegen im Frühjahr und Herbst sicher erleben. Für das gemütliche bisschen Trubel sorgen die historischen Städte wie Füssen und Kaufbeuren. Eine andere Tour, die ich dir sehr ans Herz legen kann, ist die Burgen- und Schlösserrunde. Und wenn du gleich mehrere Tage unterwegs sein möchtest, ist die Schlossparkradrunde etwas für dich. Diese Mehrtagestour lässt dich auch sehr gut im Herbst radeln.

Radtour Kloster-Runde Allgäu Klöster rundum Kaufbeuren

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