13.

Jul

Rad-Marathon Tannheimer Tal 2017

Die Meurers

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Der Radmarathon Tannheimertal 2017 liegt hinter uns und obwohl wir keine aktiven Teilnehmer waren, hat uns die ganze Woche sehr viel Spaß gemacht.

Die ganze Woche deswegen, weil wir auch bereits bei den Vorbereitungen dabei waren und weil wir auch die Rennradwochen mitbekommen haben. Der Radmarathon am Sonntag ist dann der Höhepunkt der Aktivitäten.

Rennrad-Wochen im Tannheimer Tal

Los geht’s am Montag Nachmittag mit den ersten Ausfahrten. Die dienen zum Kennenlernen der verschiedenen Strecken und zur eigenen Leistungsüberprüfung „Schaff ich das?“. Damit hier alle auf ihre Kosten kommen, gibt es jeweils bis zu fünf verschiedene Ausfahrten in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Die reichen von der ‚Kaffeefahrt‘ liebevoll Capuccino-Runde genannt bis zu anspruchsvollen Passfahrten. Die Cappuccino-Runde ist laut Marcel Wüst „für alle, für die das Fahrrad ein Fortbewegungsmittel ist und kein Sportgerät“. Geführt werden diese Ausfahrten von bekannten und berühmten Rennradfahrern wie der eben schon erwähnte Marcel Wüst oder Glomser Gerrit oder engagierten Fahrern, die die Strecke wie ihre eigene Westentasche kennen.

Die Bandbreite der Ausfahrten zeigt schon sehr gut den Geist dieses Marathons. Denn es geht hier in erster Linie um den Spaß, um das Dabei sein, aber nicht um ein Rennen oder ehrgeizige Ziele. Deswegen ist bei den Ausfahrten auch immer eine Einkehr mit eingeplant und der Spaß beim Radeln und beim Miteinander steht im Vordergrund. Wer mal beim Start einer solchen Ausfahrt dabei war, weiß was ich meine. Es wird gelacht, gescherzt und die Fahrer unterhalten sich während des Strampelns. Und die Strecken sind natürlich hier im Tannheimer Tal und im Allgäu wunderschön. Wann immer es möglich ist, werden auch Radwege befahren, so dass man auch die schöne Natur genießen kann und auch mal in Gruppen nebeneinander fahren kann.

Jeden Tag gibt es so mehrere Ausfahrten. Immer um zehn Uhr. Falls es zu der Zeit regnen sollte, gibt es um 14 Uhr einen zweiten Versuch. So kann man sich sehr gut auf den Sonntag vorbereiten.

Am Freitag gab es zusätzlich von Marcel Wüst noch einen Fahrtechnik-Workshop, der auch schon allein beim Zuschauen sehr interessant war. Es ist doch immer wieder toll, wieviele Tipps man von erfahrenen Profis bekommen kann. Und selbst, wenn es nur ein einziger Tipp ist, den man dann mit nimmt. Der kann ja schon ausschlaggebend sein, um das eigene Fahren entscheidend zu verändern. Sei es, dass es bequemer wird oder weniger Kräfte zehrend oder einfach schöner. Vielleicht verliert man auch die Angst vor gewissen Situationen und erhöht damit den Fahrspaß.

Alle Fotos gibt es hier zu sehen: Fotos Fahrtechnik-Training mit Marcel Wüst

Am Samstag gab es die letzten Ausfahrten, die dann ‚Einrollen‘ genannt werden. Zum Teil werden da auch noch einmal Teile der Radmarathon-Strecke gefahren, und diese kennen zu lernen. Immerhin gibt es da auch ein paar besonders herausfordernde Teilabschnitte, wie steile Abfahrten oder starke Steigungen. Einige ändern danach noch einmal ihre Strecken Auswahl. Aber das ist ja auch gut so. Schließlich möchten alle ja wieder heil und gut gelaunt ins Ziel kommen. Falscher Ehrgeiz ist hier nicht angebracht. So manch einer entscheidet auch während der Fahrt, indem er an der Strecke bei der Abzweigung zwischen der 85 km Runde oder der 130 km Runde entsprechend nach links oder rechts abbiegt. Die Lechbrücke scheint wirklich eine besondere Wegmarke zu sein und für den ein oder anderen eine Zitterpartie. „Soll ich? Soll ich nicht?“.

Vorbereitungen zum Rad-Marathon Tannheimer Tal 2017

Während sich die Fahrer auf den Höhepunkt am Sonntag per Rad oder Workshop vorbereiten, werkeln im Hintergrund bis zu 300 Personen mit, dass der Radmarathon überhaupt statt finden kann. Das Organisationsteam hat alle Hände voll zu tun. Bis zum Schluss gibt es noch Anmeldungen. Startnummern müssen vorbereitet werden, Anmeldungen abgewickelt werden. Die Strecke muss mehrmals befahren werden. Der Kontakt zur Straßenmeisterei und Polizei ist eng in der Woche: „Was ist mit der Baustellenampel? Und an welcher Stelle wird der Verkehr angehalten?“

Sponsoren müssen gesucht und betreut werden. Die Starterpakete werden vorbereitet. Der Boden in der Tennishalle braucht einen Schutz gegen die vielen Straßen- und Radlerschuhe. Das Rennbüro muss eingerichtet werden. Lautsprecher werden aufgebaut. Die Bühne muss gebaut und mit Teppich belegt werden. Das Siegerpodest muss bereit stehen. Die Verpflegung muss gewährleistet sein. Und für die Pastaparty müssen große Mengen von Nudeln gekocht werden. Überall wuselt es. Überall sind Leute in leuchtenden farbigen T-Shirts im Auftrag vom Radmarathon unterwegs. Und immer wieder gibt es Fragen und kleinere und größere Herausforderungen. „Wo kommt das hin? Und wann werden eigentlich die Biertische geliefert?“. Die Telefone stehen nicht still. Immer wieder wird Auskunft gegeben und Fragen beantwortet.

Auch hier ist die Stimmung gut. Die Leute arbeiten sehr gut zusammen. Es werden Witzchen gemacht und jeder erteilt bereitwillig Auskunft im Rahmen der Möglichkeiten. Und so wird die Tennishalle ganz schnell zum Radsportzentrum und das Cafe zum Radmarathonbüro. Abends werden die Schilder an der Strecke verteilt. Nicht nur Richtungsweiser sondern auch Warnzeichen und Hinweisschilder. Das eine Team kommt um Mitternachtt zurück und das andere startet erst morgens um zwei Uhr. Alles für die Teilnehmer.

Draußen werden Absperrgitter aufgestellt. Auf der Wiese erscheinen Fahrradständer und eine Start-/Zieldurchfahrt wird aufgebaut. Die Musik kommt und beschallt alle Arbeitenden und der Wagen für die Zeitnahme richtet alles ein. Fahrer holen ihre Startnummern, halten ein Schwätzchen und immer wieder werden Kartons mit Sachen angeliefert. Essen, Urkunden, Büromaterial, T-Shirts, Pokale, Gutscheine, Besteck (übrigens kein Plastik!), Müllsäcke, Kuchen, Plakate, eine Videowand, Kabel, Absperrband, Getränke und und und.

Sonntag – der Rad-Marathon

Am Sonntagmorgen wuselt es im Start-/Zielbereich schon wie in einem Ameisenhaufen. Die einen holen noch ihre Startnummern. Die anderen nutzen das Angebot, zu frühstücken und wieder andere stehen schon vor der Startlinie. Die Aufregung liegt förmlich in der Luft. Alle sind nervös. Die einen bangen um einen guten Startplatz. Die anderen halten Plätze frei für Nachzügler und das ein oder andere Fahrrad wird da schon mal über die Köpfe der wartenden gehoben. Manchmal sogar verkehrt rum, so dass es dann noch mal gewendet werden muss. Die anderen fragen sich, ob sie die Strecke schaffen, ob alles gut gehen wird. Wieder andere überlegen, ob sie die Regenjacke anziehen sollen oder doch im Rucksack lassen sollen. GPS-Geräte werden angeklickt, Tracker eingestellt und bis zur letzten Minute wird an der Startnummer gezupft.

Und dann geht es endlich los auf die Strecke. Die Fahrer setzen sich in Bewegung. Die Radierschuhe klacken, wenn sie in die Pedale einhaken. Vorneweg fahren Begleitfahrzeuge mit Blinklichtern und ein Kamerawagen. Es dauert Minuten, bis auch der letzte über die Startlinie gerollt ist und alle auf der Strecke sind.

Inklusion

An diesem Sonntag gab es gleich drei Starts. Um sechs Uhr startete die größte Gruppe auf die 220 km Runde. Eine Stunde später dann gingen die Fahrer für die 85 km und 130 km an den Start. Und zum ersten Mal gab es beim Radmarathon im Tannheimer Tal sogar einen Start von Dreirädern. Die beiden Teilnehmer durften 15 Minuten vor den anderen losfahren, um niemanden in dem dichten Gedränge zu behindern. Wie schön, dass das hier möglich war. Jeder einzelne Start wurde gebührend von den anwesenden Zuschauern gefeiert.

Auf der Strecke

Und überall an der Strecke stehen Helfer, Ordner oder Polizei. Die Verpflegungsstationen werden eingerichtet. Brote werden geschmiert, Obst aufgeschnitten und isotonische Getränke angerührt. Es gibt sogar Magnesium, falls die Muskeln streiken sollten.

Die Stimmung bei den Fahrern ist gut. Es wird auch heute geredet. Man stimmt sich ab. Wer fährt vor? Wer übernimmt? Wo geht es lang? Für die Fotografen entlang der Strecke wird gelächelt oder gewinkt. Manche Fahrer sind einsam und allein unterwegs andere fahren zu zweit, in Gruppen oder in Teams. Die einen tragen Trikots in Vereinsfarben, die anderen haben sich etwas besonderes für den Radmarathon einfallen lassen und besorgt.

An den Verpflegungsstationen werden die Räder fallen gelassen, die Frauen suchen die Toiletten, die Männer nehmen gleich die Wiese. Es wird gefachsimpelt. Man stimmt sich ab. Wer fährt mit wem wie weiter? Soll ich doch die Strecke verkürzen oder wage ich die große Runde? Aber auch hier ist die Stimmung gut.

Am Ziel wartet man währenddessen schon auf die ersten Fahrer. Und dann fährt der erste über die Ziellinie. Auch hier fahren manche zu zweit durch und halten sich an den Händen oder als Team oder als Gruppe. Dabei sein ist alles. Viele schwärmen von ihrer Gruppe. „Ohne Dich hätte ich es nicht geschafft!“ Man zieht einander mit, motiviert sich gegenseitig oder schiebt schon mal einen Kollegen den Berg hoch. Jede Zieldurchfahrt ist emotional. Von „endlich geschafft“ bis tränenreich bis hin zu Jubel. Alles dabei.

Der Letzte fährt schwungvoll 6 Minuten vor Zeitschluss durch das Tor und wir noch bejubelt. Der chinesische Teilnehmer brüllt fremdländisches in sein Handy. Die Emotionen kochen hoch. Streckenabschnitte werden noch einmal besprochen. Ein Bier getrunken und es gibt wieder Schlangen an der Nudelausgabe.

Und ganz oft hört man: „Nächstes Jahr bin ich wieder dabei.“ „Ich hab schon die Unterkunft gebucht.“ „Aber nächstes Mal fahr ich die 130 km.“

Und irgendwie hab ich jetzt auch Lust, Fahrrad zu fahren…

Foto-Galerien

Und da wir noch sooooo viel mehr Fotos geschossen haben, hier die gesammelten Links zu den einzelnen Foto-Galerien mit allen Fotos der Rennradwoche und des Rad-Marathons:

Rennradwoche Tannheimer Tal 2017

Vorbereitungen zum Rad-Marathon Tannheimer Tal 2017

Fahrtechnik-Training mit Marcel Wüst

Impressionen Rad-Marathon Tannheimer Tal 2017

Teilnehmer Fotos Rad-Marathon Tannheimer Tal 2017

Alle Tweets der Live-Reportage zum nachlesen und schauen

  1. […] und Videos gibt es auch auf dem Beitrag der Meurers zu […]

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