4.

Okt

Naturstrom für die Region Tannheimer Tal

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Das Tannheimer Tal ist ja eher bekannt für seine traumhafte Landschaften und tolle Sportveranstaltungen. Und es ist ein sehr beliebtes Urlaubsziel. Aber kaum jemand weiß, dass im Tal mit Hilfe von Wasserkraftwerken Strom erzeugt wird.

Wir haben uns das mal angesehen.

Es gibt zwei kleinere Wasserkraftwerke. Und sie sind anscheinend so unscheinbar, dass sie kaum als Kraftwerk wahrgenommen werden. Das eine liegt am Vilsfallsee.

Es liegt etwas unterhalb des romantischen Sees, der so grün an den Ufer bewachsen ist, dass man kaum glauben kann, dass er künstlich gestaut wird. An dieser Stelle war schon immer eine natürliche Gefällstufe, die dann zusätzlich aufgestaut wurde. Davon zeugt noch ein kleiner Wasserfall unterhalb des Sees. Leider ist er von den Geh- und Wanderwegen aus nicht sichtbar.

Wir waren mit fachkundiger Begleitung vor Ort. Das Grundstück darf natürlich aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Schließlich geht es hier um Strom und Hochspannung.

Bisher werden keine öffentlichen Führungen zu den Elektrizitätswerken angeboten, aber man denkt darüber nach.

Und da ist auch schon das Kraftwerk.

Es ist auf jeden Fall sehr beeindruckend in einem solchen Kraftwerk zu sein. Das Wasser rauscht durch riesige Rohre. Die Turbinen drehen sich unglaublich schnell, so dass man die Bewegung kaum sehen kann. Es ist laut und wenn man genau hinspürt, merkt man, dass der Boden vibriert.

https://twitter.com/waltzingmeurers/status/910139700442271744

 

Der Durchmesser der Rohre und die Größe der Schrauben ist imposant. So etwas sieht man nicht alle Tage. Die einzelnen Bereiche sind in knalligen Farben gestrichen. Man sieht von außen nicht viel von den Vorgängen im Inneren, aber man bekommt trotzdem einen Eindruck, von den Naturgewalten und der Kraft, die dahinter steckt.

Am unteren Ende verlässt das Wasser wieder das Kraftwerk und die Vils fließt weiter.

Das rauscht auch ganz schön.

Regelmäßig wird der Stausee von Unrat gereinigt.

Bis zum See kann man auf ganz normalen Wegen gehen.

Ein weiteres Kraftwerk liegt am Vilsalpsee. Wanderer und Spaziergänger kennen sicher das weiße Häuschen am Seeufer.

Hier wird ebenfalls Strom erzeugt. Von außen deutet kaum etwas darauf hin. Aber innen wirken auch wieder gewaltige Kräfte.

Das Wasser kommt vom Stausee oberhalb: vom Traualpsee. Auch hier sieht man fast nicht, dass es sich um ein Wasserkraftwerk handelt.

Die Staumauer fällt kaum auf und Bergwanderer rätseln, warum es dort oben einen Wasserspeicher für Schneekanonen gibt, wenn doch gar keine Skipisten in der Nähe sind.

Der See ist ein Naturidyll. Und eine beliebte Wanderstrecke vom Vilsalpsee aus. Die Staumauer und das Betriebsgelände darf natürlich auch nicht ohne entsprechende Begleitung betreten werden.

Am unteren Ende des Sees wird das Wasser abgleitet und rast durch dicke Rohre in die Tiefe. Wir durften einen Blick in den Stollen werfen.

Sehr beeindruckend dieses Bauwerk. Wenn man bedenkt, dass es in den 50er Jahren gebaut wurde und sämtliches Material mühsam transportiert werden musste. Auch wenn es eine Materialseilbahn gibt, war das ganz schöne Arbeit.

Unten angekommen rauscht das Wasser wieder in die Turbinen.

Am Vilsalpsee rauscht es aber anschließend nicht mit Getöse in den See sondern es wird unter Wasser eingeleitet, so dass man es als Besucher oder Spaziergänger kaum wahr nimmt.

Etwa 70 % der Stromversorgung vom Tannheimer Tal kommen vom EW Schattwald. Im Winter, wenn es wenig Wasser gibt und der Verbrauch gleichzeitig sehr hoch ist, wird zugekauft. Bis in die 70er Jahre konnte man das komplette Tal eigenständig mit Strom beliefern.

An der Bundesstraße in Tannheim liegt das Schaltwerk. Falls Ihr Euch schon immer mal gefragt habt, was sich in diesem weißen Haus verbirgt.

So sieht es dadrin aus:

Seit 1919 existiert das EW Schattwald. Zum 100jährigen Jubiläum gab es ein großes Fest. Und vielleicht wird man ja in Zukunft die Kraftwerke bei einer Führung besuchen können.

Wer mehr über die ganzen technischen Details wissen möchte und sich für Zahlen interessiert, wird sicher hier fündig:

EW-Schattwald.at

Fotos © DieMeurers

 

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