11.

Sep

Radtour im Allgäu – Radeln in die schönsten Ecken

Simone Zehnpfennig

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    Radtour Allgäu – die Radrunde weist den Weg

Bei idealen Bedingungen – Temperaturen über 20 Grad, Sonne, wenig Wind und vor allem Ferien haben wir beschlossen, bei unserer Radtour einen Teil der Radrunde Allgäu zu befahren. Die Wegweiser der Radrunde, das blaue Rad auf weißem Grund, hängen auch in unserer Heimatgemeinde und fordern uns regelrecht auf, der Runde in die Erlebniswelten zu folgen.
Wir beginnen unsere Radtour auf den Glückswegen, wollen über die Heimstätten  in die Naturschutzkammern, in die Wasserreiche und  schließlich wieder zurück.

Schon wenige Kilometer weiter westlich fahren wir an einem ehemaligen, stattlichen Sägewerk entlang. Heute werden dort Araber gezüchtet und man trifft hier mehr auf Reiter als auf Radler. Aber keine Sorge, der Radweg gehört nur den Radlern. Faszinierend, wie früher die Landschaft ein wenig umgebaut wurde, um die Wasserkraft zu nutzen.

 

Wassernutzung in den Wasserreichen in den Allgäuer Alpen

Radrunde Allgäu – die Runde in die schönsten Ecken, führt uns in die Erlebniswelt der Heimstätten, die mit Leutkirch beginnen. Der Radweg führt mitten durch die Stadt und verführt ganz einfach zu einem Stopp.

Pause in den Heimstätten, in Leutkirch im Allgäu

Weiter westlich auf der Radtour tut sich in Bad Wurzach das größte intakte Hochmoor Europas auf. Wir sind nun bei den Naturschutzkammern angekommen – und dies ist nicht zu viel versprochen! Wir lassen das Rad stehen und betreten nun schon fast andächtig – angehalten durch diese Ruhe, das Naturschutzgebiet. Der weiche Boden tut den Füßen gut.

Moorsee Bad Wurzach im Allgäu

Wenn wir schon hier sind, wollen wir uns auch gleich die neu eröffnete Ausstellung über diesen Naturschatz im westlichen Allgäu anschauen: Moor Extrem heißt die Ausstellung und führt uns vor Augen, wie wir unseren Kurzurlaub angehen sollen:

Moor-Extrem, Ausstellung Bad Wurzach im Allgäu

Moor – Extrem – zurück zur inneren Ruhe finden

Und noch etwas fasziniert uns in Bad Wurzach: die barocke Pracht des Schlosses, hier das Treppenhaus. Das Schloss steht übrigens auf Pfählen, die einzige Möglichkeit im moorigen Grund zu überdauern. Eines stehr fest: ich will unbedingt nochmals nach Bad Wurzach, um ein Moorbad zu nehmen. Hierzu brauche ich aber Zeit – die habe ich mit meinen Begleitern heute nicht.

Treppenhaus Schloss Bad Wurzach

Treppenhaus Bad Wurzach

Wir machen uns weiter auf den Weg, auch das gehört dazu: Warten vor den Schranken bis gemütlich die Regionalbahn vorbeifährt. Der Zug erinnert uns daran, dass auf der Radrunde 50 Bahnhöfe angebunden sind – sollten wir also mal nicht weiter kommen, so können wir jederzeit den Zug nutzen.  Das tun wir dann auch!

Rennrad Transport mithilfe der Bahn

Mit der kleinen Auszeit im Zug von Kißlegg nach Wolfegg können wir in aller Ruhe das Bauernhausmuseum Wolfegg und die Waldburg, Stammsitz des Fürstenhauses Waldburg-Zeil, anschauen. Bei der Führung erfahren wir, dass hier die Reichsinsignien aufbewahrt wurden: schwer bewaffnete Ritter bewachten die Burg, Mönche bildeten einen betenden Kreis um die Krone, die Heilige Lanze und den Reichsapfel. Heute sind die Originale in der Hofburg in Wien und die Repliken  hier zu sehen.

Und noch etwas haben wir erfahren: die rund 5 qm große America-Karte ist ein Faksimile von Martin Waldseemüller aus dem Jahre 1507 und war namensgebend für Amerika. Waldseemüller ging davon aus, dass Amerigo Vespucci den Kontinent entdeckte, nicht Christoph Columbus. Bis Waldseemüller den Fehler entdeckte, hatte sich der Namen schon durchgesetzt. Rund 100 Jahre war das einzige noch erhaltene Original aus dem Jahr 1507 im Besitz des Hauses Waldburg-Zeil, wo man es 1901 entdeckte. Über Jahrzehnte versuchte die Library of Congress in Washington D. C. das gut erhaltene Stück zu erwerben, doch es blieb noch für ein Jahrhundert im Besitz des Hauses zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee . Schließlich wurde die Karte 2001  durch das Haus Waldburg-Wolfegg veräußert, für 10 Millionen US-Dollar. Das ist der höchste Preis, der je für ein kartografisches Gut gezahlt wurde. Übrigens liegt die Burg wunderschön, man muss zu ihr etwas hochradeln. Kein Wunder, dass sich auf der Burg ein Landesvermessungspunkt befindet – und eine Ausstellung zum Thema, bei dieser Geschichte! Ein Muss für jeden Geograf / Geografin dort einen längeren Halt einzulegen!

Die Waldseemüllerkarte steht für Kultur und Geschichte

Endlich das Ziel in Sicht: Wangen, eine rundum malerische Stadt, deren Innenstadt unter Denkmalschutz steht. Unser Hotel liegt mitten in der Stadt, so dass wir die Atmosphäre dieser von Handel geprägten, ehemals freien Reichsstadt erleben können.

Das Frühstück legt den Grundstock für den Tag – vor allem bei einer Radtour. Bei diesem Anblick fällt der Start in den Tag leicht!

Frühstück im Hotel Mohren-Post in Wangen im Allgäu

Frühstück im Hotel Mohren-Post in Wangen

Folgt man den Heimstätten, damit den gelassen wirkenden, heimeligen Städtchen im Westen des Allgäus, kommt man unweigerlich an Käsereien vorbei. Denn die Radrunde Allgäu nutzt auch einen Abschnitt der Allgäuer Käsestraße und bei der Radtour sollte man sich nicht entgehen lassen, in eine Sennerei vorbei zu schauen. Wir stoppten in der Sennerei Böserscheidegg – Kommissar Kluftinger ermittelte hier auch schon! Wir haben zudem den richtigen Zeitpunkt erwischt und können an einer Sennereiführung mit Käseprobe teilnehmen. Manch einem Gast bleibt übrigens im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg, da er die feuchte, käsige Luft nicht verträgt und sucht den Weg ins Freie.

Sennerei Böserscheidegg im Allgäu

Übrigens sind wir hier im Gebiet von Scheidegg. Der Kurort gehört zu den sonnenreichsten Orten in Deutschland und teilt sich diesen Titel mit anderen Allgäuer Gemeinden. Von hier aus fahren wir wieder heimwärts und suchen den kürzesten Weg. Wir passieren bei unserer Radtour Isny und bleiben nicht nur in der Stadt beim Eis essen, sondern besteigen auch noch den Turm, ein Museum mit  Aussicht auf die Stadt.

Isny im Allgäu: vom Turm aus betrachtet

Noch ein schönes Ziel fahren wir an, Eglofs, wenn auch die Strecke bis dorthin teilsweise auf  gut befahrenen Hauptstraßen verläuft.

Radtour mit Blick gen Süden

Aber es lohnt sich diesen einmalig schönen Dorfplatz zu sehen. Als wir ankommen hat leider der Wirt, der auch Bauer ist,  Ruhetag. Sein Gasthaus ist einfach nach der Familie benannt „Gasthof zum Löwen von Joseph Elgass“. Schon der Titel strahlt Ruhe aus und verlockt förmlich zur Einkehr.

Dorfplatz von Eglofs im Allgäu

Auch das gehört zur Radrunde Allgäu – Wegkreuze, wie hier im westlichen Allgäu, kunstvoll geschmiedet.

Feldkreuze - eine Kunst im Allgäu

Nach zwei kurweiligen Tagen unser Ziel in Sicht!

Kneippland Allgäu

Energieschöpfen aus Wasser nach der Radtour

Wasser stärkt: Man kann sich der Heimat von Sebastian Kneipp nicht entziehen. Diese Region wird in der Radrunde Allgäu als Glückswege bezeichnet – kann man gut nachvollziehen wenn man Kraft aus Wasser schöpft.

Kneipps Heimat im Allgäu

Auch wenn wir vielen schon kannten – die Befahrung und Erfahrung auf dem Rad hat uns erneut den Wert der Kulturlandschaft gezeigt. Wir waren entspannt auf den Glückswegen unterwegs, waren fasziniert von den Etxremen der Moore, von den Natuschutzkammern. Wir erlebten die Wasserreiche durch tiefe Tobel, aber auch durch kulinarischen Genuss auf der Allgäuer Käsestraße und fühlten uns in den Heimstätten geborgen.

Praktische Tipps:

Sehr hilfreich zur Orientierung ist die Karte Radrunde Allgäu inklusive Serviceheft, herausgegeben von der Allgäu GmbH. Der bikeline-Führer aus dem Hause Esterbauer beschreibt ebenfalls detailiert die Tour. Die Radrunde Allgäu und weitere Radwege sind auch in der wetterfesten Fahrradkarte Nr. 3123 und 3127 des Kompass-Verlages eingezeichnet. Alles zusammengefasst findet man unter www.radrunde-allgaeu.de

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