2.

Jun

Alpenwellness im Allgäu: Anwendungen mit Tradition und Leidenschaft im Hotel Prinz-Luitpold-Bad

Registrierter

experten-autor
BU

Playground für große Spielkinder: das verwinkelte Krolf-Areal im Hotel Prinz Luitpold Bad

Alpen… äh, was bitte? Alpenwellness? Wir wollen wissen, ob es sich wirklich anders anfühlt, wenn man sich zwischen Almen anstrengt oder auf 1000 Metern Höhe entspannt. Wir? Eine Fotografin und ein Autor aus Hamburg, zwei Reisejournalisten, die ihrer Sammlung an Länderpunkten einen neuen hinzu fügen – das Allgäu. Station 10: Bad Oberdorf gehört zu Bad Hindelang, es wurde wegen seiner Schwefelquelle zum Kur-Ort erklärt, durch Prinzregent Luitpold von Bayern. Genau an der Quelle entstand das „Hotel Prinz-Luitpold“, das erste Wellness-Hotel Bayerns
Ein Hotelportrait von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

BU

Der deutsche Krolf-Meister – in Knickerbockern und Golfschuhen – zeigt wie es geht…

BU

…und sein Gegner kämpft mit den Tücken der ungewohnten Spieltechnik

Dieses Hotelportrait beginnt mit einer Niederlage, überrascht mit einer unerwarteten Herausforderung, beglückt mit besonderem Genuss (sowie ein paar Goldtalern) und endet mit dem Bedürfnis wieder zu kommen. Sei es nur auf eine Revanche. Denn auch wenn es keine Schande ist, gegen einen deutschen Meister zu verlieren, das Spiel bei dem es zur Niederlage kam, ist doch eigentlich keine allzu große Herausforderung. Und deshalb überrascht es umso mehr, wie schwer man sich tut, beim Krolf mitzuhalten.

Beim was, bitte!?! Krolf ist eine Mischung aus Krocket und Golf. Man versucht mit den Schlägern des bekannten Gartenspiels einen Ball auf einem Parcours in Löcher zu bugsieren. Die Dimension des Spielfelds liegt irgendwo zwischen „großer Garten“ und „Kuhweide“. Sieger ist, wer die insgesamt gespielten Löcher die wenigsten Schläge braucht. Die ersten neun habe ich noch ganz gut hingekriegt, lag nur nur wenige Zähler zurück. Jetzt, im zweiten, schwereren Abschnitt der Anlage – mit hängender Wiese –, zieht Armin Gross hoffnungslos davon. Und er macht mir die Niederlage nicht leichter, indem er hin und wieder sagt: „Sie spielen wirklich ganz passabel, Herr Lehmann.“ Oder: „Uiuiui, Sie bringen mich ins Schwitzen.“

BU

Tradition und Gegenwart: Armin Gross hat das Hotel nicht übernehmen müssen

BU

Er hat es gern getan: Eines Tages wurde ihm klar, dass es seine Leidenschaft ist

Armin Gross ist nicht nur der erste Vorsitzende des größten Krolf-Vereins in Deutschland, sondern auch der amtierende deutsche Meister dieser nicht-olympischen Sportart. Und eigentlich ist Gross alles andere als ein rabiater Kerl, der seinen Mitspielern zeigen muss, wo die Krolf-Keule hängt. Wir lernen den jungen Direktor des Hotels „Prinz-Luitpold-Bad“ in einem Ortsteil von Bad Hindelang als aufgeräumten Gastgeber kennen, der sehr wohl um die Eigen- und Besonderheiten seines Hauses weiß – und die mit viel Humor darstellt.

So etwa als er uns nach Ankunft durch sein Haus führt und erzählt, wie es entstand. Im Jahr 1864 an einer Heilquelle, die später ausschlaggebend dafür sein wird, dass der Ort zum Bad geadelt wird und noch vorher das Hotel den Titel „Prinz-Luitpold-Schwefelmineralbad“ erhält. Hach, man bekommt einen guten Eindruck davon, wie anders Sprache einst war, vollumfänglich, vielleicht ein wenig umständlich, aber korrekt. Heute sagt man schlicht Wellness. Was alles und nichts bedeuten kann. Aber Schwefelmineralbad! Da sieht man vor seinem geistigen Auge regelrecht die Herren in geringelten Ganzkörperbadeanzügen vorsichtig ins heiße Nass steigen. Selbstverständlich zu strikt anderen Badezeiten als die Damen! (Es ist doch keine Frage, dass dieser Satz mit einem Ausrufezeichen endet.)

Noch vor Ende des 19. Jahrhunderts wird der Ort zu Bad Oberdorf geadelt. Auch, wenn es nirgends nachweislich ist – man kann davon ausgehen, dass das Hotel Prinz Luitpold zu den ersten Wellnesshotels des Landes gehört. Und auch wenn man heute mit einer gewissen Distanz in die Vergangenheit blickt, einem manche Rituale und Regeln seltsam vorkommen, unverständlich, ja inakzeptabel, so bietet sich an einem Ort wie diesem doch die Gelegenheit, die wohltuende Kraft der Zeit zu spüren. Erfahrung. Gelassenheit. Vertrauen. Ruhe.

BU

Antiquitäten, Tradition, Erfahrung: Das Team in der Wellness-Abteilung hat viel zu bieten

BU

Der hölzerner Badezuber ist innen ganz schwarz vom heilkräftigen Moor

BU

Und zwischenzeitlich sind es auch die Hände des Reporters. Susanne badet in Blau

Seine Geschichte sieht man dem Haus heute noch an. Darauf weist Armin Gross gern hin: Wer ein reduziertes Design-Hotel sucht, sei hier falsch. Die Einrichtung ist üppig, alpenländische Fundstücke, antike Möbel, historische Einbauten, Details aus fernen Schlössern. Am Anfang fremdelten wir Norddeutsche ein wenig damit. Doch bald schon fühlt sich der Stil ganz selbstverständlich an – und wir uns ebenso wohl zwischen holzvertäfelten Wänden, unter ausladenden Kronleuchtern, hinter großen Panoramascheiben, durch die man vor allem eins sieht: ein weites Tal, Kühe, Kirchen, Bergflanken. Ein zauberhaftes Alpen-Bild. Das ist auch der Star beim Blick vom Balkon unseres Zimmers. Wir Großstädter stehen da, blicken hinaus, lassen die Landschaft auf uns wirken. Sie wirkt. Und wirkt. Und so beginnt ein Wellness-Wochenende mit Tiefenentspannung, noch bevor es überhaupt zu einer Anwendung kommt.

Dafür stehen wir später in unseren Hotelbademänteln in der Wellness-Abteilung des Hotels. Und hier zeigt sich der Vorteil eines großen Hotels: Es bietet viel Platz für verschiedene Anwendungen. Das Luitpold hat ein großes Freibad, ein kleines Hallenbad, diverse Saunen, einen Whirlpool, eine Kältekammer, ein Dampfbad, diverse Wannen für Kleopatra- und Kaiserbäder und zwei Räume mit Holzzuber für Moorbäder. Während sich Susanne für das schwefelhaltige Sisi-Bad entschieden hat, steige ich ins therapeutische Moor. Ich werde darüber informiert, dass es sehr warm werden kann im Moor, dass es einen Effekt gebe wie ein künstliches Fieber. Und dass es einen Not-Ausschalter gebe, mit dem ich das Moor ablassen könne, falls ich mich nicht mehr wohl fühle.

BU

Was hat es bloß mit diesen Fässern auf sich? Das Essen aber ist großartig

BU

Alles ist hier etwas königlich – der Wein und die Lust an der Dekoration

Ach, ich doch nicht… Verrückt. Ich bin Sportler, eigentlich mit einer guten Konstitution gesegnet. Nach 15 Minuten im Bad fühle ich mich so matt wie nach einer intensiven Trainingseinheit, und ich muss mich ernsthaft mühen, noch weitere fünf Minuten durchzuhalten. Eine Therapeutin lässt schließlich den Moor-Brei ab, und plötzlich liege ich schwer und unbeweglich in der Holzwanne, fühle mich wie ein Astronaut nach Wochen der Leichtigkeit im All. Wahnsinn. Ich lasse mir sogar aus der Wanne helfen – und stehe dann nackt vor der Therapeutin, die mich abbraust.

Später, auf einem Liegestuhl, stellt sich eine tiefe Entspannung ein, die mit einer bis dato kaum empfundenen Müdigkeit einhergeht. In Decken und Handtücher gehüllt liegen Susanne und ich im Park. Vögel zwitschern. Insekten brummen an uns vorbei. Das ferne Rufen einer Kirchglocke. Blätter knistern im Wind, während uns die Sonne wärmt. Ich schlafe ich ein. Das Moor hat meine Kontrolle ausgeschaltet. Und ich genieße das. Die zusätzlichen, therapeutischen Effekte des Bades – es ist gut für die Haut, regt den Kreislauf an, entschlackt.

BU

Goldene Träume im breiten Bett auf blauem Lilienteppich – unser Zimmer mit…

BU

…schönem Blick auf das Tal von Bad Hindelang – mit Morgentau im Sonnenlicht

Am Abend im Restaurant hinter Panoramascheiben. Die Felsen schimmern, und wir freuen uns über die ambitionierte Karte. Sie enthält echte vegetarische Gerichte – in vielen Restaurants heißt vegetarisch essen eher Hauptgang ohne Fleisch – und einige Klassiker, die man immer seltener bekommt, etwa Ochsenbäckchen. Susanne bekommt vegetarisch gefüllte Maultaschen. Ich die Ochsenbäckchen. Sie sind famos, das Fleisch mürbe und würzig, die Sauce dunkel und ausgewogen. Auch Susanne ist zufrieden, was man immer daran merkt, wenn sie mich ihr Essen nicht probieren lässt.

Wir stoßen an mit einem gut gereiften Chateauneuf du Pape, den uns der mehr als aufmerksame Service zurecht ans Herz gelegt hat. Wir werden hier eine Slow Food-Sitzung machen. So lange es geht, genießen. Je weniger auf dem Teller liegt, desto intensiver kauen. Der Moment möge verweilen. Die Ruhe dazu haben wir. Das Moor und das Schwefelbad haben es uns gelehrt.

Hotel Prinz Luitpold Bad. Ein guter Ort, Alpenwellness zu genießen und in den Tauschhandel mit Goldmünzen einzusteigen.

Bad Hindelang. Ein Ort in den Bergen des Allgäus, der schöne Ausblicke bietet, aber auch echte Herausforderungen wie den Hindelanger Klettersteig.

Krolf macht Spaß. Die Website des ersten deutschen Krolf-Clubs mit Beiträgen des ersten deutschen Krolf-Meisters.

BU

Verdammt kalt ist der Außenpool am Morgen – und wir hoffen auf eine Krolf-Revanche

BU

Selbst wenn die auch verloren gehen sollte. Wir freuen uns darauf!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.