26.

Jun

Martplatz

24 Stunden von Bayern im Allgäu

Simone Zehnpfennig

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Countdown für den Start der 24 Stunden von Bayern war morgens um acht. Da war ich noch gut drauf. Doch das änderte sich im Laufe der nächsten 20 Stunden meiner Wanderung rund um Bad Hindelang . 600 Verrückte  waren 24 Stunden wandernd im Allgäu unterwegs, hatten sich vorgenommen 60 km und 2.300 Höhenmeter zu laufen. Ich hab´s auch probiert – auch wenn ich mich stellenweise echt gequält habe, es ging erstaunlich gut. Der Grund war die gute Organisation der 24 Stunden von Bayern in Bad Hindelang, die vielen aufmunternden Stationen der Hindelanger und Allgäuer sowie der netten Menschen, die auf der Strecke waren.

Da hilft nur Gelassenheit – wie lange der Motorradfahrer warten musste, wissen wir nicht.

Anfangs ein Massenstart, doch das Feld lichtete sich bald, denn auf den ersten 5 Kilometern waren auch 600 Höhenmeter zu bewältigen. So mancher bewahrte Ruhe, doch ein MTBler auf der Strecke fluchte. Er hatte nicht mitbekommen, dass dieses Wander-Event stattfand und auf den schmalen Bergpfaden kam er an den 600 Wanderern, die schon in der Schlange hintereinander gingen, kaum vorbei.

Unterhaltsame Stationen, nette Menschen, gutes Essen

Wie gut es tat, am Berg mit Getränken versorgt zu werden. Und wohl jeder war froh, dass der Himmel bedeckt war. Immer wieder überraschten Stationen: Als Himmelsstürmer durfte man sein Polaroidfoto gleich mitnehmen oder Qi Gong ausprobieren.

Fotostopp – das kleine Polaroid bekam man gleich mit

Wie gut die 24 Stunden von Bayern in Bad Hindelang im Allgäu machbar waren: Weiter unten auf der Strausbergalpe wurde Allgäuer Hofmilch und Kaffee ausgeschenkt. Alle Wanderer waren übrigens froh, dass keine Sonne schien! Es war schon so warm genug, bei Temperaturen von rund 25 Grad.

regionale Milch zum Kaffee auf der Strausbergalpe

Klug genutzt wurde übrigens der Teerabschnitt: Hier nutzten dann doch einige die E-Bike-Rischka. Immerhin einen Kilometer Strecke gespart! Das macht schon viel aus bei 24 Stunden von Bayern.  Für die nicht Ausgelasteten hat Bap Koller, der Organisator der 24 Stunden von Bayern, wie immer eine Fitness-Strecke bereit.

Sagenhaft wurde es rund ums Kutschenmuseum: Die erschreckend schöne Kutsche, ein früherer Leichenwagen, stimmte ein.

Im märchenhaften Hintersteiner Tal

Und auf einmal befand man sich im Sagenwald der Wilden Fräulein von Hinterstein. Die Hindelanger begeisterten auf dieser Strecke viele Wanderer. So manch einer wurde angefixt, das Hintersteiner Tal später zu erwandern.

Dann änderte sich die Szenerie: Hans, das Süddeutsche Kaltblut und Holzrückepferd und seine Mitarbeiter waren in Aktion. Anke nutzte das Angebot und pflanzte eine Esche, ein Beitrag zum Erhalt des Berg- und Schutzwaldes, des Klimas und nachwachsender Rohstoffe.

Zeigen, wie man auch heute noch Holz im Bergwald macht – Hans (Kaltblut und Holzrückepferd von Beruf) und seine Mitarbeiter

Und dann endlich Mittagspause: Doch anstatt zu essen, weil wir vorher wirklich gut mit Käse und Brote von der Alpen Mitterhaus versorgt wurden, nutzte ich die Pause zum Schwimmen in der Prinzen-Gumpe. Einem Naturbad in Hinterstein, einst genutzt vom Prinzregenten Luitpold. Eine Wohltat für den ganzen Körper! Meinen Bikini habe ich übrigens immer für solche Fälle im Rucksack.

Es gab noch eine erfrischende Station: In die Ostrach hatten Partner der Wandertrilogie Allgäu aus dem wasserreichen Westallgäu eine simples System installiert, so dass man gefahrlos in der starken Strömung kneippen konnte.

Schließlich endet die Tagesetappe auf dem Wandermarktplatz in Bad Hindelang mit einem regelrechten Genießermarkt: Rehleberkäs, Allgäuer Shushi, Rührei mit gehobeltem Trüffel und Allgäu-Burger neben Heusuppe, Kässpatzen, Schupfnudeln  und Obstsalat.

 

Über die Wiesengänger der Wandertrilogie Allgäu in die Nachtstrecke

Aber auf geht´s, man hat ja noch die 29 km Nachtstrecke mit 1.200 Höhenmetern vor sich! Doch zwischen drin gab´s noch eine Aufmunterung dank der fröhlichen Frauen am Stand der Wiesengänger: Nicht nur dass man pflanzen durfte, sondern auch eine Packung Wildblumensamen für Zuhause gab´s.

12 Schnapsstationen dürften wohl auf der Strecke gewesen sein, so erzählte man.  Ich hab´s nicht ausprobiert, konnte aber eine bestätigen: Auf der Nachtetappe, Thema Brennholz, gab´s innere Wärme, einen Enzian aus der Brennerei Turra in Sonthofen. Und der wärmte wirklich.

Der Sonnenuntergang wurde übrigens von Alphornbläsern untermalt. Und dann ging´s weiter in Richtung Österreich, wo man auf den Gipfeln die Herz-Jesu-Feuer brennen sah. Wetterleuchten dramatisierte die Szenerie – es war richtig stimmungsvoll. Auch der kleine Juchzer- oder Jodelkurs fügte sich in diese Stimmung ein. Glühwürmer schwirrten umher.

 

Nach 12 Stunden immer noch gut drauf!

Und dann wurde es Ernst: Man hörte in der Nacht das nächste Ziel, das Hotel Rehbach, wo Musik aufspielte. Doch bis man schließlich diese Etappe erreicht hatte! Immer wieder ging´s bergan und schließlich dann die Mitternachtsetappe im Unterjoch. Die Wadenmassage im Stall stimulierte. Es ging besser. Und dann, als schon die Füße brannten, weg vom schönen Dorfplatz und wieder hinaus in die Dunkelheit.

Das war unsere Nachtetappe – bei Dunkelheit gefährlich…

Deutlich weniger Menschen machten sich auf den Weg. Dann das Moorbad im Oberjoch, wo wir mit einem Guten Morgen empfangen wurden. Dann durchs Moor, in den Ort hinein. Die Füße brennen. Den Panoramaweg in der Neumondnacht haben wir ausgelassen. Das hat uns eine Stunde gespart! Auf dem Weg über die Alte Jochstraße über die Kanzel hinab nach Bad Hindelang hatte ich das Gefühl, nur noch wankende Gestalten zu sehen. Dagegen helfen sollte die Wadenmassage im Stall. Aber so lief ich wahrscheinlich auch. Ich hatte noch nicht einmal Stöcke! Sie sollen 30 % des Gewichts auffangen, sie stabilisieren. Wie sehr hätte ich sie mir jetzt gewünscht. Aber sie lagen daheim.

Die ersten beiden Vögel erwachten. Die Morgendämmerung konnte also nicht mehr fern sein. Wir wollten aber so schnell wie möglich im Dorf sein. Der Regen war für sechs Uhr in der Früh angesetzt, so mein letzter Stand vom Vormittag. Wenn nun nicht die Vorhersage stimmt, kann ja sein wenn sich ein Gewitter anbahnt, und es regnet früher – dieser Gedanke war für mich der Anpeitscher. Ich wollte weder nass noch vom Blitz getroffen werden. Und so gaben wir Gas.

Das Heubett zwischendrin nutzte ich allerdings schon! Doch dann kamen schon die nächsten müden Wanderer und es ging weiter. Und waren um 4.06 Uhr im Ziel. Mit einigen anderen. Wir fühlten, um ehrlich zu sein, gar nichts. Es gab keinen der uns empfing. Wir waren müde, die Füße schmerzten. Und auch den anderen erging es ähnlich. Wortlos machten wir uns auf ins Nachtlager. Schlafen war für mich persönlich dann schwierig, weil ich merkte wie aufgedreht ich dann doch war. Auch hinderten die schmerzenden Füße und der Rücken – der Rucksack lässt grüßen – am Schlaf. Als dann der Regen einsetzte, das monotone Geräusch, war ich froh das Ziel erreicht zu haben!

Und am Sonntag zum Frühstück taten vielleicht noch die Füße weh, aber alles andere war gut! Zwei Blasen an den Fersen erinnern an die 20 Stunden wandern. Aber: Es hat sich gelohnt und ja, ich mach wieder mit! Füssen vor drei Jahren und deren 24 Stunden von Bayern war ein super Einstieg. Die Euphorie, das Adrenalin, die netten Menschen, die gute Organisation, die motivierenden Stationen überwiegen!

 

  1. Avatar Stefan sagt:

    Danke für den schönen Beitrag, der alle Erinnerungen an diese tolle Veranstaltung wiederbelebt. Ich war nämlich auch dabei – sowohl in Füssen als auch in Bad Hindelang! Die Erlebnisse hier und dort waren – nicht zuletzt der Unterschiedlichkeit der Landschaft, der Siedlungen, der Angebote geschuldet – anders, aber gleichermaßen beeindruckend. Oh Du schönes Allgäu!!!!
    Danke an alle Organisatoren und Helfer hinter den Kulissen, an der Strecke und den Stationen!
    Und vielleicht auf ein Neues im nächsten Jahr im Naturpark Frankenwald, also in einer ganz anderen Ecke Bayerns!

  2. Dein Beitrag gefällt mir sehr gut! Weiter so :)

  3. Avatar Jörg sagt:

    Wow! Ich habe ja schon viel von den 24h von Bayern gehört. Dein Bericht bestärkt mich in der Überzeugung, dass ich da auch unbedingt mal dabei sein muss! Herzlichen Glückwunsch! Klasse Leistung

    Liebe Grüße, Jörg

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