11.

Jun

Der Säuling: ein außergewöhnlicher Gipfel der Allgäuer Alpen

Simone Zehnpfennig

Registrierter

experten-autor

Zu Füßen die Schlösser und Tausende Besucher, am Säuling Gipfel tierische Ruhe

Mich erstaunt mittlerweile bei Wanderungen und Bergtouren in den Allgäuer Alpen wenig. Aber der Säuling ist ungewöhnlich!  Am Fuße des Bergs tümmeln sich Millionen Gäste, auf dem Gipfel herrscht Ruhe: Wohl kein anderer Berg im Allgäu bietet ein solches Spannungsfeld wie der Säuling, dieser 2047 m hohe markante Hausberg von Füssen. Sein pyramidenförmiger Gipfel überragt das Land. Zu seinen Füßen liegen die beiden Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein. Über 1,3 Millionen Besucher erträgt das Schloss jährlich und so liegt dem Schloss letztendlich die Welt zu Füßen. Hunderttausende Asiaten und Amerikaner trauen sich auch auf die Marienbrücke, um das Schloss zu fotografieren.

Blick von der Marienbrücke, Teil der Wanderung

Wir aber lassen alles außer Acht und haben den Säuling als Ziel. Trotzdem ist es für mich jedes Jahr aufs Neue interessant, wie die Globalisierung auch bei den Asiaten zunimmt: statt glatter langer Haare Locken und rote Töne. Auch die großen Modekonzerne egalisieren alles.   Wir lassen alles buchstäblich links liegen und folgen der Beschilderung zum Säuling. Bis zur Marienbrücke teilen wir uns den Weg mit Schlossbesuchern und Mountainbikern, die übrigens eigens gewarnt werden.

An der Marienbrücke wird jeder Verkehr reguliert!  

Zudem sind wir ach auf einer Etappe der Wandertrilogie Allgäu, dem 876 km langen Weitwanderweg und hier im Schlosspark unterwegs. Die Bergtour lässt sich über kiesige Wanderwege gut an, geht dann aber in steile Passagen über, die Trittsicherheit erfordern. Wie die Anforderungen an Bergsteigen sind: Trittsicher, schwindelfrei und die einkehr auf eine der Berghütten.

Der Gipfel in Sicht!

Doch dann herrscht königliche Ruhe. Wir sehen den Gipfel vor uns, erreichen ihn auch nach gut drei Stunden. Wir sind allein – und das an einem Freitag in den Pfingstferien. Von hier oben sieht man auf die beiden Schlösser, die Seen und ahnt, warum die Mutter von König Ludwig I, Königin Marie, eine der ersten begeisterten Bergsteigerinnen war!

Blick gen Osten, die beiden Schlösser  und Forggensee unter sich

Blick gen Westen , das Lechtal hinauf, die Allgäuer Alpen vor sich

Über das Säuling-Haus steigen wir ab. Nach der obligatorischen Einkehr, hier schon auf dem Gebiet von Tirol, mit einer deftigen, guten Tiroler Speckknödel-Suppe – übrigens frisch gemacht, da muss man dann schon mal 20 Minuten auf die Suppe warten können – geht´s wieder abwärts nach Hohenschwangau.

Steinböcke in ihrem Revier

Zunächst hören wir nur etwas: Geröll bewegt sich. Und dann sehen wir ihn: Unweit der Hütte einen Steinbock.  Über ihm der Gipfel. Er hat sich hier nieder gelassen, scharrt mit seinen Klauen, Geröll fällt hinab. Ob er es wegen uns absichtlich macht, wissen wir nicht. Jedenfalls lässt er sich nicht stören, kratzt sich mit seinem mächtigen Hörnern, schließlich mit dem Fuß. Armer Kerl, denke ich. Sind´s Zecken? Jedenfalls ist die Hornlänge ausreichend, um sich am ganzen Körper kratzen zu können.

Gut getarnt sind sie ja schon, die Steinböcke; der Säuling im Hintergrund.

Wir wandern weiter, es soll abends heftig gewittern. Und dann hören wir wieder unterhalb des Pilgerschrofen die typischen Geröll-Geräusche: Wieder Steinböcke, einer rutscht absichtlich im Liegen ein paar Meter den Berg hinab. Zumindest scheint es so.

Gekratzt wird immer, ob mit den Hörnern oder dem Fuß

Nach gut drei Stunden sind wir wieder am Parkplatz in Hohenschwangau. Nur noch drei andere PKW parken hier, alle ausländischen Touristen sind in ihren Hotels.

Traditionell einkehren in Hopferau

So ein schöner Tag, trotz fehlender Sonne gute Sicht, jetzt wollen wir aber noch essen gehen: Zum Gasthof Hirsch in Hopferau, der Wild aus den Pfrontener Bergen anbietet. In traditioneller Atmosphäre, einer heimeligen Wirtsstube, bestellen wir Hirschsteak an Amaretto-Soße mit Haselnuss-Spätzle und Wildpilzen und die Waldpilzpfanne. Der Salat dazu ist nur empfehlenswert!

Gut schlafen im Hotel Prinz-Luitpold-Bad, Bad Hindelang

Die Pfingstferien haben wir nicht nur zur Wanderung auf den Säuling genutzt, das war unsere letzte Tour mit Abschluss-Einkehr in Hopferau. Meinen Geburtstag habe ich mal anders gefeiert und meine Kinder mit Schwiegerkinder sowie Eltern zu ein paar Tagen in Bad Hindelang eingeladen. Denn das Naturschutzgebiet Allgäuer Alpen, die vielen Alphütten und Wanderwege bieten für alle etwas.

Wanderung im Obertal, zur Alpe Plättele

Und weil man ja im Allgäu nie weiß wie´s Wetter wird, war das Hotel Prinz-Luitpold-Bad  genau die richtige Wahl. Eigentlich sind wir jeden Tag nass geworden. Was uns nicht störte, man weiß ja man kommt in ein schönes Hotel mit einer königlichen Dampfsauna, mit wohltuendem schwefelhaltigen Wasser in den Schwimmbecken und vieles mehr.

Und dann weiter zum Nebelhorn: Schneefelder und Wolken ließen uns umkehren

Aber einen Allgäuer kann auch ein solches Wetter oben am Nebelhorn nicht zurück schrecken: Denn während ich die diversen Pools des Quelldorados nutzte, gingen die jungen Erwachsenen noch in die Kältekammer im Spa-Bereich des Hotels. Sie haben die Temperatur der Kammer von -11 Grad Celsius auf – 8 Grad Celsius erhöht.  Aber auch die Infrarotkabine wurde nach diesem nasskalten Tag gerne genutzt!

Das wohltemperierte Außenbecken des Hotels – immer mit Sicht in die Allgäuer Alpen!

Wer mehr über Wanderungen rund um den Säuling wissen möchte:

Der Alpenverein beschreibt recht gut. Man benötigt Trittsicherheit, auf allen Seiten helfen Seilsicherungen. Angegeben sind ab Parkplatz 4,5 Stunden, das ist gut grechnet.

Das Säulinghaus wurde 1925 erbaut, ein schönes Haus. Der Abstieg vom Gipfel ist eher was für Kletterer.

Im Tal essen: Etwas abseits der großen Gästeströme, in Hopferau, findet sich direkt neben der Kirche der Gasthof Hirsch in Hopferau. Waldpilfpfanne, Hirsch aus der Pfrontener Jagd inkluisve der dazugehörigen Salate sind sehr zu empfehlen! Aber Achtung, die Küche schließt schon um 20.30 Uhr, wir sind erst spät auf den Säuling gestartet, haben uns dort oben mit den Steinböcken Zeit gelassen und kamen um acht Uhr in Hopferau an. Der Vorteil war, dass die ersten Gäste dann schon wieder das gut besuchte Gasthaus verlassen haben.

Wer mehr über Wanderungen rund um Bad Hindelang wissen möchte:

Normalerweise sieht man im NSG Allgäuer Hochalpen die Steinböcke, den Adler und eigentlich wollten wir hier den Bartgeier sehen. Der größte europäische Greifvogel kehrt langsam in die Allgäuer Alpen zurück und sucht die Schneeränder nach Aas ab. Aber die Sicht war schlecht.  Geht man aber bei einem qualifizierten Führer des LBV mit, lernt man Tiere zu sehen, zu hören, zu erkennen.

Gute Küche bei bestem Service und Übernachtung sowie einer breiten Palette an aufwärmenden Spa-Möglichkeiten fanden wir im Hotel Prinz-Luitpold-Bad.

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