1.

Feb

Von Moritz Sonntag

Fasnatziestag: Der Stolz der Staufener

Anne-Sophie Weisenbach

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„Am Fasnaziestag mitzuwirken, ist für die Staufener Männer der Höhepunkt des Jahres“, sagt Hanjo Petzold. Er steht am Straßenrand und beobachtet den Fasnatzieszug, der sich durch den Ortskern schlängelt. Von Eile ist trotz Kälte nichts zu spüren. Mit Stolz halten die Staufener Männer mit Trommlern und Musikkapelle ihre Tradition jährlich am Faschingsdienstag hoch. Mit Karneval hat der Brauch aber bei weitem nichts zu tun. Zum 382. Mal erinnerte das Ereignis heuer an eine dunkle Stunde der Geschichte.

Ledig und ungebunden müssen die Oberstaufener Männer sein, die am Fasnatziestag mit Fahnenschwinger und Butz durch Oberstaufen ziehen. Sie gedenken der Pest, die 1635 Oberstaufen heimsuchte und über 700 Opfer forderte. Die Geschichte besagt, dass Hugo Reichsgraf von Königsegg-Staufen den Überlebenden eine Fahne überreichte, mit der die Burschen durch den Ort zogen. Mit dem Umzug wollten sie die Lebensfreude der Staufener wieder wecken. „Bis heute gedenken sie am Fasnatziestag der Pest und allen, die dem Brauch die Treue gehalten haben“, sagt Petzold. Er muss es wissen. Er war selbst auch schon aktiv beim Umzug dabei. „Jetzt komme ich auch gerne als Zuschauer. Mit dem Brauch wird man als Staufener einfach groß“, sagt Petzold und beobachtet, wie der Butz mit seinem Reisigbesen Besucher symbolisch von der Pest reinigt. „Die meisten, die weggezogen sind, kommen am Fasnatziestag wieder. Da gibt’s nix anderes“, sagt Petzold. Der Tag hat Bedeutung bei den Männern.

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Fahne im Zweiten Weltkrieg versteckt

„Während des zweiten Weltkriegs brachten Sie sich die Männer für den Brauch sogar in Lebensgefahr“, sagt Niclas Hennecke, alias der Butz, in einer ruhigen Minute nach dem Umzug. Im Gasthof Adler steht er in einem Hinterzimmer und erzählt: Obwohl die für den Feiertag alles entscheidende Fahne zur Zeit des dritten Reichs verboten war, hielten die Staufener an ihrem Brauch fest. „Sie haben die Fahne vergraben und einmal im Jahr heimlich herausgeholt“, sagt Hennecke.

Von Sprints und Einlagen beim Umzug des Fasnatziestags ist der Butz außer Atem. Er fährt sich mit der Hand über die Stirn. Ein Schluck Wasser und weiter geht es für Hennecke. Auch nach dem Umzug hat er in seiner Rolle noch einiges zu tun. In jeder Wirtschaft gilt es, die Pest wegzukehren. Auch der Francais, die Bayerische Polka und der Walzer, den die Sektionsmitglieder am Mittag tanzen, stehen unter der Aufsicht des Butz. „Wir haben Anfang des Jahres angefangen zu üben“, verrät Hennecke. Warum er die ganze Mühe auf sich nimmt? „Es erfüllt uns mit Stolz, den Brauch weiter zu pflegen“, sagt der Staufener überzeugt. Schon als Kind hat er den Fasnatziestag selbst gebannt beobachtet.

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Monatelang für Fasnatziestag geübt

„So werden Buben schon früh in den Brauch integriert“, bestätigt Fähnrich Ferdinand Brams. Zum ersten Mal schwingt der Allgäuer die Fahne. Über ein halbes Jahr hat er für den großen Tag geübt. „Die Fahne habe ich nach dem Almabtrieb im September bekommen. Seitdem habe ich an der Choreografie gefeilt“, erzählt er. Unterbrochen wird er vom Butz, der über seine Füße fegt und den Fähnrich zum nächsten Programmpunkt entführt. Die beiden Hauptdarsteller haben noch viel Programm vor sich – zur Freude der Zuschauer sind sie noch den ganzen Fasnatziestag im Ort unterwegs.

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