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Sep

Viehscheid in Eisenberg: Traditionsveranstaltung mit Herz

Anne-Sophie Weisenbach

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Das laute Klingen der Schellen ist beim Viehscheid im Eisenberger Ortsteil Zell weit über die Grenzen des Dorfes hinaus zu hören. Kein Wunder: Sind es doch weit über hundert Jungrinder, die bei der Traditionsveranstaltung Ende September jedes Jahr gemeinsam mit ihrem Hirten Josef Gast ins Tal zurückkehren. Den Sommer verbringen die Schumpen, wie die Tiere genannt werden, im Allgäu auf den Alpen in den Bergen. Rund 30.000 Jungrinder, 2700 Milchkühe, 500 Schweine sowie ein paar Hundert Pferde, Schafe und Ziegen waren im Allgäu in der vergangenen Saison in luftigen Höhen unterwegs.

Viehscheid

Vorteile hat die Jahrhunderte alte Tradition einige, weiß Hirte Josef Gast aus Eisenberg. „Auf dem Berg wird mit den Tieren schwer zugängliches Weideland bewirtschaftet. Damit schonen wir hier den Boden im Tal.“ Außerdem sei der Alpsommer gut für die Gesundheit. Die Rinder stärken im bergigen Gelände ihre Muskeln und Sehnen, das Herz sowie den Kreislauf, weiß der Experte. Seit elf Jahren kümmert sich Josef Gast jedes Jahr auf der Schlossbergalm in Zell von Mai bis September um die Tiere. „Die Bauern übertragen mir die komplette Verantwortung für das Wohl der Schumpen. Ich bin allein dafür zuständig, dass Ihnen auf der 26 Hektar großen Weide nichts zustößt“, macht der 57-jährige Hirte deutlich.

Viel Arbeit für das Kraftpaket

Mit entspannter Alpromantik hat das in den wenigsten Momenten etwas zu tun. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang ist das Kraftpaket für die Rinder, die er in vier Herden aufteilt, unterwegs. Er schleppt Zaunpfähle die Hänge entlang, zieht Abgrenzungen an gefährlichen Orten, treibt die Tiere regelmäßig an andere Weidestellen. „Außerdem muss das Wasser in den Wannen täglich erneuert werden, damit sich keine Keime darin bilden“, erzählt Gast. Allein einer der unzähligen Salzlecksteine, die der Hirte den Schumpen hinterherträgt, wiegt zehn Kilogramm. „Aber das macht mir nichts aus“, sagt Gast mit einem zufriedenen Lachen. Der Landwirt sitzt vor seiner Hütte und genießt den Sonnenuntergang sowie den Blick auf das umliegende Gipfelpanorama der Alpen. Während er für seine Herden unterwegs ist, bewirtet seine Frau Brigitte auf der Schlossbergalm auf 1000 Metern Ausflügler und Wanderer.

Viehscheid

 

 

„Es ist jedes Jahr wieder der größte Lohn, wenn die Tiere den Sommer unverletzt überstanden haben und wir beim Viehscheid gemeinsam ins Tal ziehen“, erzählt der Hirte. Bereits Wochen vorher laufen für die Vorbereitungen für den großen Tag auf der Schlossbergalm auf Hochtouren. Gast treibt die Herden wieder zusammen, zieht Zäune auf dem Weg ins Tal und sammelt die Schellen, die ihm die Landwirte auf die Alp bringen. Am Tag des Viehscheids legt der Hirte mit seinen Helfern den Tieren die großen Glocken an und bindet das auserwählte Kranzrind an. „Da suche ich mir schon im Sommer ein zuverlässiges Exemplar raus“, sagt Gast. Spannend bleibt es dennoch. Wie wird das Tier regieren, wenn ihm die Männer die üppige Blumenpracht am Halfter befestigen? „Man weiß es nie vorher“, sagt Gast. Bisher ist es aber noch immer gut gegangen.

Der Brauch liegt den Hirten am Herzen

Mit dem Kranzrind an der Hand marschiert der Hirte beim Viehscheid mit stolzem Schritt ins Tal und bringt die Herden wieder zurück zu ihren ursprünglichen Besitzern. Rund 1000 Zuschauer verfolgen die Traditionsveranstaltung jedes Jahr und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Viehscheid, der andernorts bereits kommerzialisiert wurde, läuft in Eisenberg  noch ursprünglich ab. Keine Buden oder bunten Fähnchen säumen den Weg, die Tiere laufen frei bergab und werden nur von Treibern gelenkt. „Wir veranstalten den Viehscheid nicht wegen der Besucher. Der Brauch liegt uns einfach am Herzen“, erklärt Gast voller Vorfreude.

Viehscheid

 

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