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Leonhardi-Ritt, aus Liebe zum Brauchtum

Simone Zehnpfennig

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Der Leonhardi-Ritt ist auf dem Land geläufiges Brauchtum.  Doch viele Menschen können sich darunter nichts vorstellen. Dabei sind Pferdeprozessionen seit dem 15 Jahrhundert im Allgäu geläufig. Doch sie sind nicht alle dem Hl. Leonhard gewidmet wie in Oberbayern, wo seit dem 13. Jahrhundert in Bad Tölz die Leonhardi-Fahrt abgehalten wird.  Im Allgäu findet die älteste Pferdeprozession  seit dem 15. Jahrhundert in St. Coloman bei Schwangau statt. In Hofs, das gehört zur Stadt Leutkirch, immerhin seit dem Jahr 1600. Beide Prozessionen finden immer am 2. Sonntag im Oktober statt.

Das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren hat gemeinsam mit dem Heimatdienst Illertal den Leonhardi-Ritt wieder als Tradition ins Leben gerufen. 1980 wurde eine Leonhard-Kapelle im Museum aufgestellt, zentrale Figur ist der Hl. Leonhard. Sein Attribut ist eine Kette und Kinder finden, sie sieht aus wie eine Fessel oder Handschelle. Und damit haben sie recht.

Prozession mit Leonhard-Wagen

Der Heilige Leonhard von Limoge

Dieser Heilige gehört zu den 14 Nothelfern und ist Schutzpatron für das Vieh, besonders für die wertvollen Pferde. Denn sie waren früher Arbeitspartner und Transportmittel, nur ein reicher Bauer konnte sich ein Pferd leisten. Im Volksmund nannte man ihn auch den Bauernherrgott oder gar den bayerischen Hergott. Aber nicht nur Bauern suchten seinen Segen, sondern auch die Knechte, Schlosser und Bergleute. Selbst Wöchnerinnen. Der Grund liegt in seiner Segenswirkung, die man ihm zusprach. Leonhard wurde als Adeliger in der Nähe von Reims geboren. Der junge Leonhard suchte regelmäßig Gefangene auf und sprach erfolgreich für ihre Freilassung. Es hieß, er könne Ketten sprengen – wenn man das Gebet an ihn richte. Daher das Attribut der Ketten. Auch rettete er der Überlieferung nach das Leben der Königin und auch das des Kindes, als er Geburtshilfe leistete. Die Kette der Gefangenen wurde in die Ketten fürs Vieh umgedeutet und wurde daher als Schutzpatron fürs Vieh verehrt. Und das bis heute.

Die Prozession

In Illerbeuren findet die Prozession immer am Sonntag nach dem 6. November, dem Leonhard-Tag, statt. Rund 100 Pferde und 25 Gespanne und Kutschen sind zu sehen. Alle sind sie festlich gekleidet und geschmückt.  Die Reiter und Gespannfahrer in Tracht, dazu historischen Kutschen oder Nachbauten. Selbst das Zaumzeug der Pferde ist festlich. Die sogenannten Faulenzer zieren und nennen letztlich Ross und Reiter beim Namen.

Der prachtvolle Zug wird ergänzt von drei örtlichen Musikkapellen, dem Erntewagen, Ziegen- und Ochsengespannen. Eben alles, was in ein Bauerndorf gehört und vor allem was ins Schwäbische Bauernhofmuseum passt. In diesem Jahr war passend zum Thema 100 Jahre Freistaat Bayern eine Abordnung des Reit-und Fahrverein Weißenhorn dabei und verkörperte die Bayerische Kavallerie. Mit vielen originalen Attributen.

Die Bayerische Kavallerie

Die Segnung

Im Freilichtmuseum – übrigens das älteste in Süddeutschland – endet die Prozession vor der Hl. Leonhard-Kapelle. Hoch zu Pferd segnet Pater Alois Christen die Tiere und Reiter, Gespannführer und Gäste. Welche Bedeutung dieser Tag im kirchlichen Jahr, aber auch im öffentlichen Bewusstsein hat, wird daran deutlich, dass auch prominente Besucher teilnehmen. Vom Bayerischen Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer über den Vorsitzenden des  Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben und MdL Klaus Holetschek hin zum Landrat Hans Joachim Weirather. Dazu einige Bürgermeister des Landkreises, einige Bezirks- und Verbandsräte.

 

Segnung hoch zu Ross

Sie alle zollen damit den Teilnehmern höchsten Respekt für ihre ehrenamtliche Tätigkeit.

Übrigens besagt eine Bauernregel:  Wie’s Wetter an Lenardi ist, bleibt’s bis Weihnachten gewiss. Am 6.11. war es schön warm und sonnig im Allgäu.

 

 

 

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