23.

Apr

Rückblick auf einen Winter im Iglu-Restaurant

Christoph Ebert

Registrierter

experten-autor

Ein letzter Flecken Schnee liegt Ende April noch auf der grünen Wiese oberhalb des Hotel Jungbrunn in Tannheim… Erst beim näherkommen erkennt man, dass es mehr ist, als nur ein Flecken – eigentlich eher ein Brocken… Wie kommt der dorthin? Sind das die Überreste einer Lawine?

Einheimische und Stammgäste wissen es natürlich besser. Es ist die letzte Erinnerung an ein Restaurant von dem immer klar war, dass es bald wieder verschwinden würde: dem Iglu-Restaurant!

Eine gewagte Idee mit unklarem Ausgang

Nahe der Talabfahrt vom Neunerköpfle mit einem fantastischen Blick auf Tannheim und das Tal gelegen. Hier war Anfang Januar ein völlig neues Konzept gewagt worden. Ob es auch funktionieren würde war längst nicht immer klar…

Nicht hoch am Berggipfel, nur per Seilbahn erreichbar, sondern direkt am Dorf sollte ein Iglu entstehen. Eines in dem bis zu 15 Personen einen tollen Abend mit Dinner-Feeling erleben können. Wo, wenn nicht im Tannheimer Tal mit seiner extremen Schneesicherheit und der besonderen Kaltluftsituation wäre dies möglich?

Und der Winter begann gut, mit teils extremen Minustemperaturen im Dezember… allerdings trocken. Viel zu trocken. Der Niederschlag ließ lange sich auf warten und zerrte an den Nerven der Iglubauern. Doch dann entlud sich alle Anspannung mit einem Paukenschlag: meterweise Neuschnee in wenigen Nächten. Endlich konnte mit dem Bau begonnen werden!

Zwei Nächte und sieben Tage Arbeit

Wer in den folgenden zwei Nächten den Blick Richtung Neunerköpfle drehte, der konnte leicht an eine Alien-Invasion glauben. Rund um ein halbkreisförmiges orangenes Objekt durchdrangen gleissende Scheinwerfer das dichte Schneegestöber. Zwischen brummenden Maschinen bewegen sich lückenlos vermummte Gestalten. Immer wieder liefen Sie auf und ab, rund um das im Scheinwerferlicht glänzende orangene Ding. Am Ende zwei ganze Nächte lang.

Bei dem orangenen Halbkreisding handelte es sich natürlich nicht um ein UFO, sondern um einen sogenannten Igluformer. Ein Igluformer ist nichts weiter als ein großer Ballon, der die Form des Iglus definiert. Er wird mit Schneefräsen dick eingeschneit – im Fall des Iglu-Restaurants mit anfänglich rundum mehr als 120 cm Schnee. Nachdem der Schneewall sich verbunden hat und durchgefroren ist, wird (das zunächst tief unter dem Schnee verborgene) Ventil geöffnet und die Luft wieder entlassen. Der Igluformer kann entfernt und beim Bau des nächsten Iglus verwendet werden – und das Iglu steht in seiner Grundform stabil und solide.

Fünf Meter Durchmesser besaß der Gastraum des Iglu-Restaurants. Hinzu kamen eine Toilette und ein Materialraum.

Künstlerisch gestaltetes Inneres

Im Anschluss wurden etwa 30 cm Schnee vom Boden des Iglus entfernt um mehr Deckenhöhe und eine rundumlaufende Sitzbank zu gewinnen. Dann schlug die Zeit der Künstler, die einen Steinbock, Blumenwiesen, einen Almhirten und eine Fackel in die Igluwände schnitzten.

Um den Raum zu unterteilen, vor allem aber, um trotz des sich stark setzenden Pulverschnees lange eine möglichst hohe Decke zu erhalten wurde aus dem von Wänden und Boden entnommenen Schnee noch eine Säule in die Raummitte gesetzt. Anschließend Holzboden und Türen und schwuppdiwupp ist das Iglu fertig…

Erbaut mit tatkräftiger Unterstützung der Lechleitner GmbH – The Solution und betrieben von den Canyoningprofis der Canyonauten GmbH aus Sonthofen konnte so Mitte Januar das erste Iglu-Restaurant im Tannheimer Tal eröffnet werden!

Ein voller Erfolg mit lauter zufriedenen Gästen

Zum Essen kamen bestes Rindfleisch vom Ferienhof Stiefel aus Sonthofen sowie Frühstücksspeck der Metzgerei Lang auf den Grillhut. Ausserdem vorgegrilltes Gemüse, sowie eine Gemüsebrühe und natürlich Beilagenbrot. Zur Nachspeise gab es stilgerecht Eiscreme. Aber selbstverständlich wurde auf Wunsch auch Tofu serviert und der ein oder andere Extrawunsch brachte Scampi sowie weitere Köstlichkeiten und sogar Kuchen ins Menü.

Dass es gut schmeckte wurde nicht nur durch das großartige Feedback, sondern auch durch die ständig leeren Teller klar – welche allerdings stets wieder nachgefüllt wurden. Denn es galt: All you can – nicht nur für das Essen, sondern für manch einen Gast auch beim Hochprozentigen.

Wärme von Innen und Außen

Für die Wärme von Innen wurden jeden Abend bis zu 40 Litern heißes Teewasser und heißer Glühwein mit dem Schlitten heraufgeschoben. Und wer sich nicht auf Glühwein oder Schnapps für die Wärme verlassen wollte, dem standen Wärmflaschen und Decken sowie an den meisten Tagen ein prasselndes Lagerfeuer zur Verfügung.

Bis 100 Kilogramm auf dem Schlitten

A propos Schlitten: wer denkt, für ein Iglu-Restaurant mit 15 Sitzplätzen wäre ein großer Maschinenpark nötig, der irrt gewaltig: es wurde ausschließlcih Naturschnee verwendet und der tägliche Transport wurde zu Fuß mit einem eigens konstruierten Schlitten bewältigt. Je nachdem wieviele Personen für den Abend angekündigt waren wog dieser Schlitten bis zu 100 Kilogramm!

Auch die Anfahrt der Gäste erfolgte ab Tannheim mit nur zwei Pferdestärken – nämlich mit denen der Familie Kleiner

Bergab ging es anschließend zu Fuß, während Fackelen und dank eines tollen Winters oft auch die Sterne den Weg leuchteten.

Ob es auch 2019/2020 wieder ein Iglu-Restaurant in Tannheim geben wird? Haltet Augen und Ohren offen, oder informiert Euch direkt auf der Facebook-Seite des Iglu-Restaurants

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.