27.

Jul

Familienurlaub im Allgäu: So macht Wandern auch Kindern Spaß

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Lange Gesichter? Nörgeleien? Müde Füße? Sitzstreik am Wegesrand? Geht wandern mit Kindern auch anders? Ja, auf jeden Fall – und im Allgäu sowieso! In Pfronten gibt es viele Touren und Angebote, die speziell für Familien gedacht sind und jede Menge Spaß machen. So wird das Draußensein in den Bergen für alle ein tolles Abenteuer, das zusammenschweißt! Hier ein paar Tipps wie Kinderfüße (fast) von alleine bergauf und bergab laufen, ohne müde zu werden.

1. Das A und O: Die Tourenauswahl

Einfach mal den nächsten Gipfel anzusteuern, weil oben ein atemberaubendes Panorama wartet, ist für eine Kindertour nicht besonders ratsam. Was Erwachsene als Belohnung für drei schweißtreibende Stunden Berg hochlaufen empfinden, ist für Kinder ein Alptraum. Sie ticken ganz anders, weil sie ihre Umgebung ganz unmittelbar erleben und Details lieben. Für sie ist das „Jetzt“ bedeutsam und damit der Weg das Ziel: am Bachbett ein kleines Floß aus Zweigen binden, Steinmännchen am Wegesrand bauen, auf dem Spielplatz eine Pause einlegen. Also einfach mal die Perspektive wechseln und sich fragen: Was würde ich gerne mit drei, sechs oder zehn Jahren auf einer Wanderung machen? Danach Tourenlänge, Etappenziele und Rastplätze festlegen. Das taktet die Wanderung und motiviert die Kinder, weiterzulaufen, um zum nächsten Ziel zu kommen. Schön ist aber natürlich trotzdem ein „richtiges“ Ziel zu haben – eines, das in den Augen der Kinder eines ist, wie eine Burgruine, ein See oder eine Hütte, wo es Tiere oder altersgerechte Spielmöglichkeiten gibt. Hilfreich für die Tourenlänge ist die Faustregel des Deutschen Wanderverbands: Lebensalter mal 1,5 Kilometer. So schafft zum Beispiel schon ein Vierjähriger stolze sechs Kilometer am Tag – auf einer flachen Strecke. Geht es den Berg hinauf, entsprechen 100 Höhenmeter bereits einem Kilometer. Oft laufen Kinder fast die doppelte Wegstrecke, weil sie viel hin- und herspringen. Es geht aber nicht um Leistung, sondern um das Erlebnis: Deshalb lieber kürzere Strecken planen, damit viel Zeit für Spielpausen bleibt. Hier gibt’s auf Kinder zugeschnittene Touren und Angebote.

2. Vertrauen haben: Das Thema Sicherheit


Viele Eltern haben Bedenken mit ihren Kindern Bergtouren zu gehen und wandern lieber im Flachen. Dabei verfügen Kinder meist über ein gutes Körpergefühl und haben Spaß daran, auch Ziele in der Höhe zu erkunden. Wenn Eltern kaum bergerfahren sind, ist es sicher ratsam Wege zu wählen, die nicht allzu steil abfallen und die Gefahr besteht, abzustürzen. Eltern können viel dazu beitragen, dass Kinder lernen, ihren Fähigkeiten zu vertrauen und auf ihre eigene Sicherheit zu achten. Wichtig ist, sie in steileren Passagen nicht voraus laufen zu lassen und ihnen beizubringen, Bergwege nicht zu verlassen. Wer sich gut auf die Tour vorbereitet hat, weiß auch, wann anspruchsvollere Passagen kommen. Hier kann man anhalten und den Kinder vermitteln, jetzt besonders achtsam und konzentriert zu laufen, ohne ihnen Angst zu machen. Gut ist, wenn ein Erwachsener vorausgeht und einer hinter den Kindern läuft. Danach sollte die Tour wieder genügend Freiraum bieten, damit die Kinder ausschwärmen und sich austoben können.

3. Für gute Laune sorgen: Die Begleitung


Wandern ist ein tolles Gemeinschaftserlebnis! In einer größteren Runde zu gehen, ist meist entspannter für alle, weil jeder einen Spiel- oder Gesprächspartner hat und die Kinder nicht nur auf die Eltern fixiert sind. Mit Freunden, Großeltern und anderen Familien unterwegs zu sein, macht den Kleinen definitiv mehr Spaß, weil einfach etwas los ist. Denn gemeinsam mit anderen Kindern ist es viel schöner auf Entdeckungsreise zu gehen, als nur mit den Eltern und Geschwistern unterwegs zu sein. Meist ist die Motivation zum Laufen schon von Anfang an da, wenn die Kinder wissen, wer alles mitkommt. Und selbst der kleinste Wanderer schafft mühelos den Weg, wenn mit ihm andere ein Wettrennen oder „Engelchen flieg“ machen.

4. Vorfreude schüren: Die Vorbereitung


Am Tag zuvor immer mal wieder von der bevorstehenden Wanderung sprechen, z.B. welche Tiere man vielleicht beobachten, wie kühl das Flusswasser aus den Bergen wohl sein wird und wie lecker der Kaiserschmarrn oben auf der Hütte. Zusammen gucken, wie der Wetterbericht für den nächsten Tag wird. So bekommen Kinder auch ein Gefühl dafür, was es für eine Wanderung alles an Vorbereitung braucht. Deshalb selbst kleinere Kinder schon einen eigenen Rucksack packen lassen: eine Trinkflasche, etwas zum Knabbern, eine kleine Tube Sonnencreme, ein Schnitzmesser für Kinder, eine Becherlupe und ein Fernglas, um Tiere beobachten zu können – es gibt fast nichts Spannenderes für Kinder! – und auf jeden das (kleine) Lieblingskuscheltier, das das Abenteuer natürlich miterleben muss. So signalisieren die Eltern ihrem Kind, dass es ein wichtiger Teil des Ganzen ist und sie ihm etwas zutrauen. Das stärkt das Selbstbewusstsein!

5. Zeit lassen: Keine Hektik!

Das Wetter passt und es kann losgehen? Dann möglichst früh starten, bevor der Wanderparkplatz voll ist und man viel weiter weg parken muss. Gerade nach der Tour kann das viele Nörgeleien ersparen, wenn die Kinder müde sind. Wenn man zeitig dran ist, bekommt man auf der angepeilten Hütte (Link: https://www.pfronten.de/aktiv/berghuetten/) auch einen Platz. Mit hungrigen Kinder zu warten, ist kein Vergnügen. Zur Sicherheit lieber eine Brotzeit mitnehmen. Die schmeckt mitten in der Natur einfach megalecker. Außerdem verbrennen Kinder ihr Essen viel schneller und brauchen auf der Tour immer wieder mal eine kleine Stärkung und etwas zum Trinken, damit sie nicht durstig und unterzuckert sind. Am besten die Kinder voraus laufen und führen lassen – sofern es der Weg zulässt. Sie entdecken meist etwas Spannendes: eine Tierspur, einen schönen Schmetterling oder einen bunt schillernden Käfer, der mit der Becherlupe begutachtet werden muss. Und genau darum geht es ja auch beim Wandern: die Natur zu entdecken! Deshalb: Das Gehtempo und die Pausen richten sich nach dem Langsamsten bzw. „Schwächsten“, sonst streikt dieser als erstes und „steckt“ alle anderen mit seiner Miesepeterlaune an. Übrigens: Meist spielt für Kinder das Wetter gar nicht eine so große Rolle. Solange es nicht gewittert, ist für sie auch eine Tour im Regen ein Erlebnis. Gemeinsam schlüpft man für eine Pause unter einen trockenen Felsvorsprung oder in eine kleine Höhle oder gräbt Regenwürmern ein Loch, damit sie wieder zurück in die Erde finden.

6. Für Abwechslung sorgen: Die Wanderung


Nicht nur interessante Stopps wie Sehenswürdigkeiten, ein Bachbett, ein Wasserfall oder ein Spielplatz sorgen für Kurzweiligkeit. Wie wär’s mit einem Versteckspiel im Wald, eine Spurensuche oder einem Naturquiz? Kinder sind geborene Forscher und Entdecker und die Natur ist für sie ein großes Abenteuerland. So können Informationen über Pflanzen, Bäume, Tiere und Biotope sowie die Geschichte der Region ganz spielerisch vermittelt werden. Bei einer Geocaching-Tour lernt der Nachwuchs außerdem, sich im Gelände zu orientieren. Kinder lieben das Abenteuer: Eine Nachtwanderung ohne Stirnlampen und Fackeln, um die Tiere im Wald nicht zu stören, eine Übernachtung auf der Hütte im Matratzenlager, mal ein Stück barfuß über einen Trampelpfad laufen, im Winter den Rodel mit auf den Berg nehmen und dann gemeinsam hinunter sausen. Das lässt Kinderherzen höher schlagen! Wer die Planung gerne anderen überlässt, hat in Pfronten im Allgäu eine große Auswahl an maßgeschneiderten, geführten Erlebnisangeboten für Kinder wie beispielsweise die Bachbettsafari, eine Hüttenwanderung oder die „Naturdetektive“, die u.a. von einer Erlebnispädagogin begleitet werden. Hier stehen spezielle Forscherthemen im Mittelpunkt. So werden bei den „Naturdetektiven: Wetterfühlungen“ Wetterphänomene wie Gewitter und Regen spielerisch untersucht. Toll ist auch der Kinder-Hüttenpass. Wer eine Wanderung im Tal oder nach oben zu den Gipfeln geschafft hat, bekommt vom Hüttenwirt einen Stempel ins Heft. Ab drei Stempeln gibt es für die Wanderhelden eine kleine Überraschung im Haus des Gastes.

7. Erinnerungen sammeln: Wieder Zuhause

Kinder sind nicht nur Entdecker und Abenteurer, die meisten sammeln auch gerne etwas: einen schöner Stein, ein leeres Schneckenhaus, bunte Herbstblätter. Es gibt vieles, was einem bei der Wanderung vor die Füße fällt, das in den Rucksack gepackt werden kann. So können Eltern auch gleich vermitteln, was lieber an Ort und Stelle bleibt wie geschützte Blumen oder Moos. Aus den gesammelten Schätzen lässt sich nach der Wanderung etwas basteln, eine Kollage zum Beispiel oder die kleinen Steine lassen sich bunt bemalen und mit dem Namen des Gipfels beschriften, den man gemeinsam erklommen hat. So bleiben die schönen Wandererlebnisse noch mehr in Erinnerung und motivieren, auch ein nächstes Mal auf Abenteuerreise zu gehen. Und auch für die Eltern ist das Wandern mit ihrem Nachwuchs ein Abenteuer. Wenn sie ihren Kindern die Führung zu überlassen und sich ihrem Rhythmus anpassen, werden sie bestimmt die Natur und ihre Schätze noch einmal ganz anders erleben und Gefallen daran finden, dass nicht das Gipfelpanorama, sondern der Weg das Ziel ist!

 

Bildnachweis: © Pfronten Tourismus, Andi Mayr (1-3, 6-9), Vipasana Roy (4, 5)

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