13.

Dez

Josef Madlener Krippe, Maler der Schwäbischen Weihnacht

Von Bethlehem bis Isny: Advent im Allgäu verzaubert

Simone Zehnpfennig

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Einmal selbst drechseln, in Nostalgie schwelgen und von der besten Nachwuchsköchin lernen
Wir beginnen unseren persönlichen Advent in Memmingen: Der Marktplatz bildet die stimmungsvolle Kulisse für den Weihnachtsmarkt. Aber für uns der absolute Höhepunkt ist der Besuch der Ausstellung zu Josef Madleners Weihnachtswelt im Antonierhaus: Schon beim Eintritt in die mittelalterliche Hofanlage des Antoniterordens werden wir von der Ruhe, von der Beschaulichkeit empfangen. Die dortige Darstellung von Josef Madlener ist ein auf Lebensgröße gezogener Ausschnittbogen seiner ländlichen Krippe. In der Ausstellung dann die beeindruckenden Bilder, die uns in die Kindheit uns ins Staunen versetzen. Nostalgie erfasst uns unwillkürlich angesichts der märchenhaften Weihnachtsmotive des Memminger Malers. Seine Darstellung des Weihnachtsgeschehens haben Generationen – auch uns – geprägt, seine Postkartenserien gingen um die Welt. Übrigens hat Madleners „Berggeist“ J.R.R. Tolkien zur Figur des Zauberers Gandalf inspiriert. Das Schöne an der Ausstellung: Sie ist kostenlos, im Haus gibt´s Glühwein, Tische und Bänke sowie die Buchauststellungen laden zum Verweilen ein. Eine Insel der Stille im Trubel der Weihnachtszeit.

Josef Madlerner berühmtes Weihnachtsbuch

In Bethlehem bei Marktoberdorf hingegen darf man selbst Hand anlegen – und das habe ich auch gemacht: Im Drechselkurs gelang es uns, eine zehnköpfige Gruppe, einen Nussknacker herzustellen. Drechslermeister Martin Adomat erklärt uns zunächst die Werkzeuge. Dann dürfen wir unsere Holzklötze in die Hand nehmen und zwischen den Holzarten Ahorn und Elsbeere wählen. Elsbeere ist das teuerste europäische Holz und wurde früher häufig verwendet. Mittlerweile gibt es diese langsam wachsende Holzart in Deutschland kaum noch. Für die Forstwirte ist der Baum wohl nicht so lukrativ. So kommt das Holz aus Österreich.

Drechslerei Adomat

Drechselkurs in Bethlehem bei Marktoberdorf: Martin Adomat erklärt uns, was wir aus den Holzblöcken fertigen sollen. 

Nach vier Stunden haben wir dann tatsächlich unseren Nussknacker an der Drechselbank in verschiedenen Arbeitsschritten geformt. Zunächst traue ich mich gar nicht an die schnell rotierende Drechselbank. Die abfallenden Späne fühlen sich warm an, das Holz gewinnt an runder Form und ich an Vertrauen ins Werkzeug. Mit dem Gewindeschneider wird das Gewinde ins Holz getrieben. Es wird spannend: Habe ich sauber gearbeitet und passen die Teile reibungslos ineinander? Ich bin ganz stolz auf mich! Der Nussknacker funktioniert. Nun wird das Holz fünfmal geschliffen und poliert. Schließlich ölen wir unser persönliches Meisterwerk mit Walnussöl – und haben einen Nussknacker in der Hand, der sich unheimlich gut anfühlt: warmes Holz, wunderbar gerundet, ohne Ecken und Kanten.

An der Drechselbank

Nussknacker aus Elsbeere

Geschafft: der dreiteiliger Nussknacker aus Elsbeere, mit Walnussöl endbehandelt

Nachmittags schließen wir uns dann noch der Krippenführung in Füssen an. Und abends bleibt noch Zeit für den Weihnachtsmarkt in Kempten und der Krippenbauschule. Nach unserem Drechselkurs sehen wir nun die Krippen und auch die Kunsthandwerker-Artikel auf dem Weihnachtsmarkt in einem anderen Licht. Unser Urteil fiel streng aus!

Eingestimmt in den Advent, machten wir uns am nächsten Tag auf nach Isny. Gemeinsamkeit ist wieder das Ziel. Die Zeit bewusst miteinander verbringen. Wir besuchen den Kochkurs „Weihnachtsmenü“ bei Susanne Rimmele, der besten Nachwuchsköchin Baden-Württemberg. Sie hat nach ihrem BWL-Studium noch eine Kochlehre gemacht und ist in den Betrieb ihrer Eltern, die „Hohe Linde“ eingestiegen. Zusammen mit ihrer Familie, den Eltern, der Schwester und ihrem Lebensgefährten, kümmert sich Familie Rimmele im Hotel um ihre Gäste. Für uns steht auf dem Programm: Kürbiscremesuppe, Ente mit Kartoffelpürree und Blaukraut, und als Dessert Lebkuchenparfait mit gebratenen Apfel.

Kochschule Hohe Linde

Gemeinsam schälen wir Kartoffeln, bereiten das Parfait vor und lernen, während wir die Suppe rühren, viel von den beiden Köchen. So ist im Parfait immer Alkohol, um die Konsistenz geschmeidig zu halten. Dass unsere Lebkuchen in Barcadi aufgelöst ist, schmecken wir später gar nicht mehr so intensiv heraus. Die Gesamtkomposition aus Lebkuchen, Bacardi, Sahne, dazu der gebratene Apfel, macht das Dessert so unvergleichlich gut! Und so soll der Advent schmecken.
Nach dem gemeinsamen Festmahl wandern wir durch das Naturschutzgebiet Bodenmöser auf den Weihnachtsmarkt nach Isny. Die Stimmung in unserer Gruppe ist ganz gelassen und entspannt. „Wie früher nach dem gemeinsamen Sonntagsbraten, der gemeinsame Spaziergang mit der Großfamilie“ erinnert sich Eva. Der Weihnachtsmarkt findet im Schlosshof statt – und der Schlossherr, zumindest ist er es teilweise – empfängt uns: Friedrich Hechelmann, der wohl bekannteste deutsche Buchillustrator, lebt und arbeitet im Abtshaus, einem Teil der jetzigen Schlossanlage. Wir dürfen einige von ihm in kompletter Eigenleistung restaurierten Räume sehen. Und sind erstaunt, mit welcher Liebe zum Detail, welcher Perfektion diese Räume wieder erstrahlen. Bevor Hechelmann sie restaurierte und wieder in den barocken Zustand versetzte, wurden sie als Pflegesäle genutzt.

Kunsthalle Schloss Isny

Abtshaus Schloss Isny

Friedrich Hechelmann nimmt sich Zeit, nur zu seinen im Schloss immer zu sehenden Werken mag er nichts erzählen. Die Ausstellung in der Kunsthalle Schloss Isny ist übrigens während des Weihnachtsmarktes geöffnet. Von diesem Angebot machen auch viele Gäste Gebrauch.
Dann, um halb sieben, ist das Schloss leer: Alle Gäste stehen im Innenhof der Anlage und warten auf das Engele, welches über den Hof schwebt und hinab zu den wartenden Kinder fliegt. Wir sind mittendrin, im Kindheitstraum.

Der Engen schwebt hinab, Isny

 

 

vent

  1. […] Baum wohl nicht so lukrativ und so kommt das Holz aus Österreich. Ich war schon Gast bei seinem Drechselkurs in Bethlehem im Allgäu und habe mir aus Elsbeere einen Nussknacker aus drei Teilen gedrechselt.  Zum Schluss wird das […]

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