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Jan

Von Geistern und Zwiebeln: Die Rauhnächte im Allgäu

Anne-Sophie Weisenbach

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Nebel im Allgäu

Nebel im Allgäu

Sie sollen ihn nahe der Allgäuer Gemeinde Burgberg gepackt haben, als er sich nachts ungeschützt auf der Straße herumtrieb. Bis ins 200 Kilometer entfernte Dinkelsbühl hätten sie den Mann getragen und dort auf einen Misthaufen geworfen, besagt eine der Legenden. Noch viele mehr ranken sich um die Geister, die in den Rauhnächten im Allgäu umherziehen sollen. Seit jeher regiert in den langen und dunklen Nächten zwischen Heilig Abend und Heilig Drei König die Furcht. Mit vielen Bräuchen schützen sich die Einheimischen noch heute vor dem wilden Heer, weiß Heimatforscher Jochen König.

„Unsere Vorfahren wussten die zwischen den Jahren häufig auftretenden Winterstürme nicht zu deuten“, erzählt der Referent der Hochschule Kempten. Der Schluss lag für sie nah, dass es böse Geister sein müssen, die dafür verantwortlich sind – etwa die Götter der Germanen oder andere dämonische Wesen, die in der Nacht durch die Luft rauschen.

Mit Krach und Rauch versuchten die Einheimischen den Geistern einen Schrecken einzujagen und sie damit zu vertreiben. „Daher kommt auch der Name der Nächte: Die heutigen Rauhnächte hießen ursprünglich Rauchnächte“, sagt der 74-jährige Kemptener mit einem Lächeln. „Bis heute werden auf vielen abgelegenen Höfen geweihte Kräuter im Haus angezündet.“ Betend ziehen die Einheimischen mit ihrem Räucherwerk durch das Haus. Die meiste Wirkung soll das Räuchern und Beten in der Nacht vor Heilig Drei König erzielen. Auch das Zünden von Raketen und Böllern sollte ursprünglich die Geister vertreiben, weiß der Experte.

JochenKoenig

Aus Tradition vermeiden viele Allgäuer noch bis heute, zwischen den Jahren frisch gewaschene Wäsche aufzuhängen. „In den frisch gewaschenen Laken und Klamotten verfängt sich das umherziehende Geisterheer und nimmt nicht nur das Kleidungsstück sondern auch dessen Besitzer mit“, erklärt König das Tabu.

Auch die Zukunft lässt sich im Volksglauben in den zwölf besonderen Nächten vorhersagen. „Anhand von zwölf Zwiebeln wurde früher oft das Wetter prophezeit“, erzählt König. Die äußersten Schichten werden an Weihnachten in einer Reihe ausgelegt und mit Salz bestreut. Jede davon steht für einen Monat. Stand in einer an Heilig Drei König Wasser, verhieß das viel Niederschlag. „Eine andere Variante war die Orientierung am Wetter der Rauhnächte“, sagt König. Hat es etwa in der dritten Rauhnacht viel geregnet, haben sich die Menschen auf einen nassen März eingestellt. „Ich werde oft danach gefragt, noch viele Menschen glauben an eine der beiden Varianten, das Wetter für Bayern vorherzusagen.“

Ledige Mädchen sollen in den Rauhnächten sogar prophezeien können, wer ihr künftiger Ehemann wird. „Sie nehmen an Weihnachten vier Zwiebeln, die sie mit den Namen von vier heiratsfähigen Burschen versehen“, erzählt König. Anschließend müssen sie in den vier Ecken des Raumes ausgelegt werden. Die Zwiebel, die bis zum sechsten Januar ausgeschlagen hat, steht dem Glauben nach für den ersehnten Ehemann.

„Dann blieb nur noch zu hoffen, dass dieser in den Rauhnächten nicht schutzlos auf den Straßen umhergelaufen ist“, sagt König. Denn dann hätte ihn sich das wilde Geisterheer bereits geschnappt. Wahrscheinlich hätten die Mädchen ihn dann nur noch auf einem weit entfernten Misthaufen wiederfinden können.

Füssener Altstadt

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