24.

Aug

Eine Wanderung auf den Spuren von Emmentaler und Eiszeitfindlingen

Martina Lindenmayr

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experten-autor

Gestern habe ich mich spontan dazu entschlossen, meine Schwester Karin auf eine kleine Wanderung an den Westallgäuer Wasserwegen zu „entführen“. Locken konnte ich sie nicht zuletzt mit der Aussicht, die Wanderung mit einer Sennerei-Besichtigung zu verbinden. Momentan werden im Westallgäu besonders viele Sennereiführungen angeboten, weil entlang der Allgäuer Käsestraße die „Aktionswochen rund um den Heumilchkäse“ stattfinden.

Sennerei-Besichtigung in Bremenried

Station 1 steht also schon einmal fest: Es geht nach Weiler im Allgäu zur Sennerei Bremenried. Seit fast 120 Jahren wird dort gekäst – von Allgäuer Emmentaler über Allgäuer Bergkäs bis hin zu verschiedensten Butterkäsesorten. Und der Senner erklärt uns mithilfe eines kurzen Films bereitwillig, wie das funktioniert.

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Die Käseproduktion entlang der Allgäuer Käsestraße ist noch echte Handarbeit! Nachdem die Heumilch in der Sennerei angeliefert wurde, wird sie durch Zugabe von natürlichem Lab und Kultur in großen Kupferkesseln dickgelegt. So entsteht eine Art „Käsepudding“, wie uns der Senner erklärt. Dieser wird im Anschluss mit der „Käseharfe“ geschnitten. Dabei ist Genauigkeit gefragt – die Stücke müssen nämlich alle ungefähr gleich groß sein. Danach wird die ganze Masse erwärmt und aus dem Kessel geholt. Das passiert in Bremenried noch ganz traditionell mit einem Käsetuch. Auf dem Presstisch wird der Bruch dann in die entsprechenden Formen gefüllt und mit unterschiedlich hohen Druckstärken gepresst, damit er fest wird.

Als nächsten Schritt kommt der Käse ins Salzbad, das wir uns „live“ ansehen dürfen. Die Salzlösung hat einen Salzgehalt, der in etwa dem des Toten Meeres entspricht.

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Abschließend geht es „immer der Nase nach“ ins Käselager. Die großen Laibe werden dort jeden Tag mit Salzwasser abgebürstet. Der Senner erklärt uns, dass alter Bergkäse bis zu 2 Jahre gelagert wird.

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Damit sind wir auch schon wieder am Ende der Führung angekommen. An diesem Punkt möchte ich nicht verpassen, interessierten Lesern einen kleinen Tipp zu geben: Mein Kollege Sebastian Koch hat vor kurzem ein Schaukäsen in der Sennerei Bremenried mitgemacht und die Käseproduktion in einem Allgäuer Alpenblog-Beitrag sehr unterhaltsam beschrieben. Einfach mal in den Beitrag „Schaukäsen in Bremenried“ reinschauen.

Wanderung auf den Westallgäuer Wasserwegen

Ein klein wenig schlauer machen sich meine Schwester und ich nun auf den Weg zu Teil 2 unseres Ausflugs. Dafür haben wir uns eine ca. einstündige Wanderung zum Erratischen Block herausgesucht. Diese Wanderung beginnt und endet in Weiler im Allgäu, was für uns natürlich sehr praktisch ist. Ausgeschildert ist sie als „Tour Nr. 12“ der Westallgäuer Wasserwege.

Wir parken mitten im Ortskern von Weiler und halten uns zunächst in Richtung Freibad. Ein paar „Allgäuer Schönheiten“ beäugen uns dabei – scheins etwas misstrauisch.

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Nach einigen Metern biegen wir ab auf den Rad- und Wanderweg, wo uns nach wenigen Schritten das erste Highlight erwartet – die Wanderung gehört ja schließlich nicht umsonst zu den 31 Westallgäuer Wasserwegen: Wir gehen über eine schöne überdachte Brücke mit tollem Blick auf die Rothach.

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Der Erratische Block – einer der größten Eiszeitfindlinge Europas

Und dann ist es auch schon gar nicht mehr allzu weit bis zum Ziel unserer Wanderung, dem Erratischen Block – einem der größten Eiszeitfindlinge in ganz Europa. Hier kann man erahnen, welch enorme Kräfte während einer Eiszeit zugange sein müssen. Immerhin hat der Rheingletscher den Riesenfindlung unglaubliche 65 Kilometer weit bis aus Liechtenstein hierher transportiert. Vor etwa 12.000 bis 15.0000 Jahren wurde er dann beim Abschmelzen des Gletschers in der Nähe von Weiler „abgesetzt“. Zwar sind heute nur noch Reste des ehemals gewaltigen Findlings zu sehen, dennoch beeindruckt uns der Ort sehr!

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Alles Wissenswerten rund um den Erratischen Block können wir auf einer eigens aufgestellten Infotafel lesen:

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Und was darf auf einer Wanderung auf keinen Fall fehlen? Klar, eine deftige Brotzeit mit frischem Käse aus der Heumilchsennerei!

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Streuwiesen im Stockerbühl

Nach der kleinen Stärkung geht es zurück in Richtung Weiler – vorbei an einem weiteren, einzigartigen Naturraum: die Streuwiesen im Stockerbühl. Diese Feucht- und Moorwiesen werden nie gedüngt und nur einmal im Jahr gemäht. Deshalb stehen sie vom Frühjahr bis weit in den Herbst hinein in bunter Blüte.

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Kurz bevor wir zu unserem Startpunkt zurückkehren, werden wir noch einmal mit einem schönen Ausblick auf Weiler im Allgäu belohnt.

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Insgesamt hat unser Ausflug knapp zwei Stunden gedauert. Für die Sennerei-Besichtigung (jeden Dienstag um 17 Uhr) sollte man eine knappe halbe Stunde einplanen. Für die Wanderung ist mit einer Gehzeit von ca. einer Stunde zu rechnen (5,2 km). Die Tour wäre auch für Familien gut geeignet, da man überwiegend auf Forst- und Wanderwegen unterwegs ist. Nur am Erratischen Block sind ein paar Stufen zu überwinden. Die Streckenführung könnt ihr euch auch im interaktiven Tourenplaner des Westallgäus ansehen und herunterladen.

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