17.

Jul

Beim Rad-Marathon durch das Tirol und Allgäu. Foto: Sportograf

Rad-Marathon und Radwoche Tannheimer Tal

Start

6:00 Uhr Start Rad-Marathon Tannheimer Tal – warum tue ich mir das an, 230 km und 3,500 Höhenmeter auf dem Rad? Das Hochtal liegt noch im Halbdunkel der aufgehenden Sonne, die man hinter den dichten Wolken, die am Berg zu kleben scheinen, nur erahnen kann. Ich stehe in der Abgrenzung der ersten Startergruppe, treffe zufällig auf Eric, der im gleichen Hotel wohnt und mit dem ich mittlerweile am gleichen Frühstückstisch sitze. Unser gemeinsamer Kumpel und Tischnachbar Karlheinz ist nicht zu sehen.
Ansprache, Startschuss, es geht los. Ich will es langsam angehen lassen, werde aber vom Sog der ersten Gruppe mitgerissen. Dreißig Meter vor mir wird Tempo gemacht ohne Wenn und Aber. Eric, der von Audi Sport gesponsert wird, ist ganz vorne mit dabei. Die Strecke geht aus Tannheim heraus Richtung Grän, mittels Schleife zurück nach Tannheim, dann Richtung Oberjoch. Erst auf der Abfahrt nach Jungholz kann ich mich etwas erholen, rolle mit, mein Puls geht etwas herunter. Das Allgäu ist tückisch, keine langen Anstiege, aber viele kleinere, z.T. steile Rampen, wie Jungholz oder Wertach. Ich fahre mein Tempo, komme ziemlich gut über die ersten Hügel. Runter in Richtung Kranzegg, Rettenberg, dann Kurs auf Immenstadt. Mittlerweile sind die vereinzelten Tropfen in strömenden Regen übergegangen. Die kleine Gruppe wächst an, Eric ist noch immer da. Wir fluchen gemeinsam aufs Wetter – geteiltes Leid…

Die erste Herausforderung

Die erste große Herausforderung wartet nach ca. 80 km, der Riedbergpass – berühmt berüchtigt wegen seiner 16%. Vorher die Abfahrt in Richtung Ofterschwang, während ich und alle anderen Tempo herausnehmen, schießt irgendein Wahnsinniger an mir vorbei. Die letzte Kurve, 90 Grad, hat er nicht auf der Rechnung. Er bremst in Panik, sein Hinterrad bricht aus und säbelt Eric in die Böschung. Der Typ steht auf und fährt weiter ohne ein Wort zu sagen – ein wahrer Radrennfahrer! Ich warte auf meinen Kumpel, der seinen Lenker neu ausrichten muss. Danach geht’s weiter Richtung Pass. Eric hat Probleme mit der Schaltung, steigt erneut ab. Ich fahre weiter, werde später oben auf ihn warten. Es läuft, um nicht zu sagen es läuft sehr gut. Das 28er Ritzel reicht vollkommen aus – und was heißt hier Kompaktkurbel? Die brauche ich noch nicht! Oben angekommen muten die Alphornbläser, zehn an der Zahl, wie eine Fatamorgana an. Der Gedanke an Gerrit Glomser, der sich sicher wieder wie letztes Jahr für einen Moment dazustellen wird, projiziert ein Lächeln auf mein Gesicht. Eric kommt oben an, Abfahrt. Letztes Jahr waren es aufgezeichnete 104 km/h Höchstgeschwindigkeit, heute werden es höchstens 80, da die Straße nass ist, es immer noch leicht regnet, und ich gerne das Ding zu Ende fahren möchte. Wir lassen die Verpflegungsstation links liegen, wie alle anderen Stationen zuvor auch.

Hochtannberg

Es findet sich eine gute und harmonisierende Gruppe zusammen. Mit 40km/h plus geht es durch den Bregenzerwald. Es hört auf zu regnen, sogar die Sonne kommt raus – ich glaub’s ja nicht! Eine Ziegenherde läuft über die Straße und schafft es gerade noch so auf die andere Seite. Dann die letzte Verpflegungsstation vor dem Hochtannbergpass. Wir halten kurz an, Pinkelpause, Wasser, weiter geht’s. Der Anstieg erstreckt sich über 13 km und fängt relativ harmlos an. Nach ein paar Kilometern schließt Duschi (Marco) auf, ein Teamkamerad. Wir fahren eine Weile zusammen. Er glaubt, wenn wir so weiter fahren ist eine Zeit von 7:20 h drin. Wenn dem so ist, habe er wenigstens ein Bier gut, sage ich – das sollte ich später zahlen müssen. Eric und ich erreichen gemeinsam die Passhöhe, danach geht‘s herrlich abwärts, wir geben mächtig Gas.

Wir fliegen durch’s Lechtal

Unten findet sich erneut eine tolle Gruppe zusammen, sieben an der Zahl. Wir wechseln uns regelmäßig ab, jeder steht etwa gleich lange im Wind. Wir fliegen durch’s Lechtal. Ich führe die Gruppe durch ein Dorf. Linkskurve, plötzlich eine Herde Kühe mitten auf der Straße. Wir kommen zum Stehen, ich bahne mir einen Weg durch die Herde, es dauert einen Moment, bis alle „drüben“ sind, dann geht’s weiter. Ein Fahrer namens Achim macht gewaltig Druck, steht immer etwas länger im Wind als alle anderen. Wir verlieren ihn am Gaichtpass, dem letzten Anstieg, etwa 15 km vor dem Ziel – schade, er hätte es verdient gehabt, mit uns ins Ziel zu fahren.

Am Ziel

Am Gaichtpass schießt plötzlich Eric an mir vorbei, großes Blatt, reißt sofort eine Lücke – ich traue meinen Augen nicht. Später im Ziel erfahre ich, dass er nicht mehr schalten konnte und ihm gar nichts anderes übrig blieb, als an uns vorbei zu preschen. Aus der Not eine Tugend – wir jagen den Pass hoch in Richtung Haldensee. Der Rest ist einfach, nahezu flach, wir erreichen das Ziel in 7:12:14h, viel schneller und besser als erwartet. Mission completed!

Fazit

Die Rennradwoche mit Marcel Wüst und Gerrit Glomser verdient eigentlich einen eigenen Blog. Tannheim macht einfach Spaß, vielleicht auch oder gerade wegen dieser Rennradwoche vor dem eigentlichen Rad-Marathon. Die beiden Ex-Profis sind Bestandteil dieses Gesamtevents, natürlich weil sie als Profis berühmt geworden sind, natürlich weil sie immer noch bewundert und von manchen richtiggehend angehimmelt werden, natürlich – und das muss einfach erwähnt werden – weil sie beide einfach klasse Typen sind. Aber auch, weil sie zur großen Tannheim-Familie gehören, wie Christian, das Moped, Stephan, Dirk, Bernd, Steffi, die gute Seele des Touristikbüros, ohne die nichts zu laufen scheint, Michael Keller und seine Familie, und natürlich all die anderen, die man einmal trifft und sich dann jedes Jahr wieder begrüßt, als kenne man sich bereits ein ganzes Leben lang, wie Karlheinz, Eric, Alexandra, Marco, Thorsten, Anja und, und, und..
Bis hoffentlich zum nächsten Familientreffen in 2018!

 

Bilder und Videos gibt es auch auf dem Beitrag der Meurers zu sehen!

Hier gibt es auch Ergebnisse.

Alle Informationen zum Rad-Marathon Tannheimer Tal gibt es unter www.rad-marathon.at

  1. Karlheinz Leutwein sagt:

    Hallo Ludger, ich habe soeben deinen Bericht vom Tannheimer Radmarathon gelesen sehr gut geschrieben und beim lesen kam es mir vor als wäre ich die Strecke noch mal abgefahren. Für das tolle Event braucht man auch viele fleißige Helfer. Nochmals herzlichen Dank an Michael Keller und sein Team.
    Danke Ludger für den Bericht und Grüße nach Münster an Eric.
    Grüssle Karlheinz

  2. Michael Schüchen sagt:

    Ludger, klasse kommentiert. So kennen wir Dich. Großes Kompliment, nicht nur fürs schreiben, auch für die tolle Leistung auf dem Velo.
    See you soon
    Miguel

  3. Ludger Roedder sagt:

    Liebe Helfer und Fans des Tannheimer Radmarathons,

    es mutet schon verrückt an, wenn man als Radrennfahrer morgens um sechs Uhr am Start steht und ja eigentlich weiss, was man vor sich hat. Dass Menschen morgens um die gleiche Zeit oder gar früher aufstehen, um im strömenden Regen die Teilnehmer zu unterstützen, sei es durch Applaus, Zurufe, oder aber durch ihre Hilfe an den Verpflegungsstationen (auch bis das der Allerletzte endlich vorbeigekommen ist) verdient nicht nur Bewunderung, sondern absolute Hochachtung! Ohne Euch gibt es diese Veranstaltung nicht, und ohne Euch ist diese Veranstaltung nichts wert. Vielen Dank fuer Eure Hilfe und Unterstützung und hoffentlich wieder bis zum nächsten Jahr.

    Ludger Roedder

    P.S.: Lieber Karlheinz, vielen Dank fuer den Kommentar, den ich sehr zu schätzen weiss, und natürlich Grüße zurück.

  4. Thorsten Ewen sagt:

    Hallo Ludger,
    Die Woche war sehr schön. Hat
    viel Spaß gemacht!!
    LG Thorsten

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