12.

Jul

Rad-Marathon Tannheimer Tal, nächstes Jahr wieder

Simone Zehnpfennig

Registrierter

experten-autor

Mitradeln in der Masse, sich Freiraum verschaffen? Nein danke, dachte ich mir.  Der Rad-Marathon Tannheimer Tal mit über 1.900 Teilnehmern ist nichts für mich. Und dann war ich doch mit dabei und muss sagen: Nächstes Jahr wieder!  Danke an alle, die mich überredet haben. Ich wusste dass es Vorbereitungskurse gibt, spezielle Rennradwochen und in der Woche vor dem Marathon täglich Ausfahrten und Radlerstammtische.  Und dass richtig viel Geld für Rennräder ausgegeben wird. Ich hingegen fahre ein altes Bianchi und sehe das Rad in erster Linie als Fortbewegungsmittel um lange Distanzen leichter zu bewältigen.

Die Nervosität steigt – lockeres Einrollen vor dem Rad-Marathon Tannheimer Tal

Und nun, da angemeldet, musste ich mir die Starter-Unterlagen am Vortag abholen. Und wenn ich schon ins Tannheimer Tal fahre, dachte ich mir, dann kann ich ja mal eine Ausfahrt mitmachen, um zu sehen wie man überhaupt in einer Gruppe fährt. Sonst radel ich alleine oder mit meinem Mann.  Und schon hier wurde ich positiv überrascht. Die Ausfahrt war locker, man konnte gut  Gespräche führen was wiederum bedeutete, dass man zu zweit nebenher fuhr. Sehr zum Leidwesen der Oldtimer- und anderer Autofahrer, die ebenfalls im Lechtal unterwegs waren.

Starterpaket Radmarathon Tannheimer Tal

Der Samstag – einrollen und abholen Startpaket

Starterpaket und Startnummern für Rad und Radler

In der Halle gab es dann ein gut gefülltes Starterpaket, das unter anderem zwei Paar Socken enthielt. Der Sinn wurde mir am nächsten Tag bewusst, als meine Füße in den Schuhen schwammen. Hin- und her gerissen war ich beim Ausfüllen meiner Startnummer: Auf der Rückseite trägt man die Notfallnummer sowie Blutgruppe ein. Hoffentlich kein böses Ohmen. Doch kein einziger Unfall ist passiert, was unter anderem der guten Streckenführung zu verdanken ist. Und natürlich der Disziplin der Radler. Denn an diese appellierten die Veranstalter und Polizei am Vorabend. Der Transponder ist in der Startnummer des Rads untergebracht. Eine solche professionelle Zeitmessung hatte ich noch nie. Mittels der Transpondermessung wird auch erfasst, welche Strecke man tatsächlich fährt. Denn unter der Fahrt kann man sich nach rund 60 Kilometern entscheiden, ob man die Kurzdistanz von 85 km mit 690 Höhenmetern oder die Mitteldistanz von 130 km und 930 Höhenmetern fährt.

Startnummer mit Transponder und wichtigen Infos

Der Rad-Marathon Tannheimer Tal – jetzt wird es ernst

Bereits um 6 Uhr starteten gut 1.000 Radler auf der Langdistanz, den  224 Km und 3.500 Höhenmetern. Nicht nur junge und superschlanke Sportler, sondern auch normale Gewichtsklassen. Alle wurden hart geprüft, denn der anfängliche Nieselregen wurde zum Regen und erst nach 100 km zeigte sich die Sonne. Da taten die Muskeln richtig weh, erzählte Stephan aus Kempten, der genau nach 7:01 Stunden – einer für mich unglaublichen Leistung – das Ziel erreichte. Doch die Quälerei hatte doch eine gute Seite. Denn jene, die nach gut neun Stunden oder später eintrafen, wurden wieder nass.

Countdown für den Start

Und dann um 7 Uhr durften alle anderen starten. Eine lange Schlange bildete sich, knapp 5 Minuten dauerte die Durchfahrt, bis alle 836 Teilnehmer den Start und die Zeitmessung passiert hatten. Und wohl zehn Minuten später fing es an zu regnen: Für mich der erste Stopp, um meine Regenjacke über zuziehen.

 

Sportograf hat fotografiert, auch so ein Service des Orga-Teams

Allgäuer Alpen und Tiroler Berge als Kulisse für den Rad-Marathon Tannheimer Tal

Kühe standen auch auf der Straße von Grän nach Pfronten hinab. Die Polizei warnte mit Trillerpfeifen vor den Weiderosten in der Straße und damit letztlich auch vor den Tieren. Das hat so manchen Radler irritiert. Die Enge hinab konnte ich schon mal einen ganzen Schwung überholen, denn gestartet bin ich als eine der letzen. Ich wollte Abstand von der Menge, aber bremsen den Berg hinab – nein, das geht auch nicht. Und sicher fühlte ich mich schließlich auch, denn der österreichische Sanitätsdienst fuhr irgendwie immer mit.

Rad-Marathon Tannheimer Tal

km 54 – die erste von vier Verpflegungsstationen auf dem Rad-Marathon Tannheimer Tal

Nach 54 km dann die erste Verpflegungsstation.  Zeit die Regenjacke auszuziehen, denn als Hobbyradler bin ich nicht imstande, sie auf dem Rennrad zu wechseln. Ich war von innen durchs Schwitzen genauso nass wie außen. Hätte ich jetzt noch das 2. Paar Socken aus dem Starterpaket! So war mir auch bei der Anfahrt erst einmal kalt, das änderte sich aber schnell wieder, wenn man im Tritt ist. Ans Windschattenfahren habe ich mich schnell gewöhnt. Wir hatten eine schöne 5er Gruppe gebildet: Mein Mann Berthold voraus, mit mir dann noch drei Frauen, später kamen noch zwei Männer hinzu. So fuhren wir über lange Distanzen weiter.  Andere hängten sich die letzten 10 km ein. Bei den Stopps erzählten wir dann miteinander. Bekannte kamen auf uns zu – wir waren ja in unseren Allgäu-Trikots unübersehbar.

Allgäuer Urgestein der Rennradszene, Max mit der Nummer 2522

Eine Allgäuer Radlegende: mit 81 Jahren voll dabei

Und ich traf auf ein Urgestein der Rennradszene, der Wentz Max von der Radunion Wangen. Mit seinen 81 Jahren fuhr er die Mitteldistanz locker mit. Man muss schon sagen, das Radtrikot steht ihm immer noch gut! Während so manch einer eingepresst wie eine Leberwurst im Trikot dasteht, macht Max eine gute Figur. Auch nach dem Radeln schnell in andere Klamotten – ein Sportler durch und durch. Der Tannheimer (bei Memmingen) fuhr für die Radunion Wangen zahlreiche Siege ein. Die Radunion Wangen richtet im Jahr 1929 das  erste und damit älteste Radkriterium Deutschlands aus. Max und sein um vier Jahre jüngerer Kollege Peter Beck können übrigens bestens erzählen, wie der Radsport und Radtourismus begann.

Gaichtpass, gut befahrbar

Der Aufstieg  – der Gaichtpass als beliebte Rennrad Strecke

Rennradler fahren den Gaichtpass am besten morgens. Nicht nur um der Sonne zu entgehen, sondern auch dem Verkehr. Diese landschaftlich schöne Strecke vom Lechtal herauf, die Berge Tirols und die Allgäuer Alpen vor sich, macht Laune. Doch offensichtlich auch dem motorisierten Ausflugsverkehr, doch die Organisatoren des Radmarathons tun alles, um Autos und Motorräder zur Vorsicht zu bewegen. In Weißenbach gab´s noch die letzte, vierte Station. Auch hier stoppten wir, denn es sollte eine schöne, abwechlungsreiche Radausfahrt werden. Und tatsächlich, es gab unter anderem etwas anderes zu essen – Nutellabrote, wie viele Männer mit großer Freude wahrnahmen!

Auch auf den letzten 17 km feuerten die applaudierenden Zuschauer die Rennradler an. Wer die wohl bestellt hat? Jedenfalls tat´s gut, denn beim normalen Radeln jubelt mit keiner zu. Danke also ans Orga-Team rund um Michael Keller, denn so macht eine Strecke natürlich noch mehr Spaß.

Das Ziel: Einfahrt, Begrüßung, die ganze Atmosphäre

Und dann die Zieleinfahrt: Dank des Transponders wissen die Organisatoren Namen und Zeit und man wird begrüßt, als hätte man einen Wettkampf gewonnen. Ganz stolz steigt man dann auch vom Rad. Danke an Max Hillmeier, sportlicher Kurdirektor aus dem benachbarten Bad Hindelang und Hannes Nägele, der Sportorganisator beim Allgäuer Zeitungsverlag, für die aufmunternden Worte. Das ist der Unterschied zwischen daheim radeln und hier.

Jeder wurde wie hier der Langstrecken-Sieger (Dominic Aigner fuhr in 6:05 Stunden 224 km / 3.500 m – unglaublich!) begrüßt.

Und dann geht´s zum Hoigarte: Man trifft sich, isst und trinkt gut, wartet auf die Verlosung. Obwohl es eine touristische Veranstaltung ist, ist der sportliche Anspruch vorhanden: Die ersten zieht es sofort zur Auswertung, denn modernste Technik lässt viel zu: Man kann seine Zeit abrufen, schauen wie lange man Pausen  gemacht  hat – viel zu viel, aber nett war´s auch in Tirol! Und natürlich vergleichen wie gut man ist, wie so manch Bekannter oder die Freunde drauf sind.

Ergebnisse vergleichen

Gute Stimmung, tolle Organisation, ein wenig Ehrgeiz, Tannheimer Tal und Allgäuer Alpen

Die Mischung macht´s, dieser Spruch stimmt einfach. Denn was nützt die schönste Landschaft wenn die Organisation nicht stimmt? Und die gute Stimmung überträgt sich, mach Lust auf mehr. Und dann noch das Rahmenprogramm, das Urlaubsangebot: Vor dem Marathon die besagten Ausfahrten mit den Profis Marcel  Wüst und Gerrit Glomser, dem Streckenchef Bernd Vogler und Michael Keller, Tourismuschef Tanheimer Tal und ehemaliger Bundestrainer der österreichischen MTB-Damen. Und noch besser, die Rennradwoche immer an Pfingsten ab Füssen mit Marcel Wüst. Ich weiß schon was ich zu Weihnachten und Geburtstag schenke!

Mein Mann ist ganz angefixt und wird 2018 die 224 km radeln. Und ich muss mir ein neues Zugpferd suchen, um im Windschatten zu radeln. Sonst schaffe ich diesen Schnitt bei 30 km und 930 hm nicht.

 

  1. Gabi sagt:

    …sehr schön wiedergegeben…u.kann ich 1:1 von meiner Teilnahme im Vorjahr bestätigen…nur das Wetter war da besser…heisser…eigtl.schon zu heiss…vor allem dann Mittags am Gaichtpass.
    …auch für mich war es das 1.Mal…nie wirklich gewollt bzw.zugetraut da Massen und Steigungen…wobei hier eher die Abfahrten… mir nicht so liegen.
    …ich war so am Start dermassen nervös…auch da ich alleine gestartet bin weil mein Partner selbst die lange Distanz anging…lernte dann auf der Strecke ein Mädel kennen u.entschied mich sogar spontan noch auf die Mitteldistanz um…Lechtal…gigantisch! u.unvorstellbar das sonst nicht gesehen zu haben!…
    …im Ziel happy! Freundschaft zu meiner Begleiterin hält heute noch-wir treffen uns im Sept.zum BodenseeRadmarathon!

  2. Bodensee-Radmarathon hört sich auch gut an.

  3. […] 6:00 Uhr Start Rad-Marathon Tannheimer Tal – warum tue ich mir das an, 230 km und 3,500 Höhenmeter auf dem Rad? Das Hochtal liegt noch im Halbdunkel der aufgehenden Sonne, die man hinter den dichten Wolken, die am Berg zu kleben scheinen, nur erahnen kann. Ich stehe in der Abgrenzung der ersten Startergruppe, treffe zufällig auf Eric, der im gleichen Hotel wohnt und mit dem ich mittlerweile am gleichen Frühstückstisch sitze. Unser gemeinsamer Kumpel und Tischnachbar Karlheinz ist nicht zu sehen. Ansprache, Startschuss, es geht los. Ich will es langsam angehen lassen, werde aber vom Sog der ersten Gruppe mitgerissen. Dreißig Meter vor mir wird Tempo gemacht ohne Wenn und Aber. Eric, der von Audi Sport gesponsert wird, ist ganz vorne mit dabei. Die Strecke geht aus Tannheim heraus Richtung Grän, mittels Schleife zurück nach Tannheim, dann Richtung Oberjoch. Erst auf der Abfahrt nach Jungholz kann ich mich etwas erholen, rolle mit, mein Puls geht etwas herunter. Das Allgäu ist tückisch, keine langen Anstiege, aber viele kleinere, z.T. steile Rampen, wie Jungholz oder Wertach. Ich fahre mein Tempo, komme ziemlich gut über die ersten Hügel. Runter in Richtung Oy, dann Kurs auf Immenstadt. Mittlerweile sind die vereinzelten Tropfen in strömenden Regen übergegangen. Die kleine Gruppe wächst an, Eric ist noch immer da. Wir fluchen gemeinsam aufs Wetter – geteiltes Leid… […]

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