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Lecker: Udo-Knochen als Laugengebäck

Vielleicht sind wir alle Allgäuer – Udo, der Sensationsfund

Simone Zehnpfennig

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Die Aufregung und Medienrummel war immens für das kleine Dörfchen Pforzen, als sie Udo ausgrub. Sie, das ist Prof.Dr. Madeleine Böhme von der Universität Tübingen und „Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment“. Als sich die Forscherin sicher war, war auch klar: Udo, der Sensationsfund,  ist ein Allgäuer, ein Bayer, ein Europäer und kein Afrikaner:  „Das ist eine Sternstunde der Paläoanthropologie. Dass sich der Prozess des aufrechten Gangs in Europa vollzog, erschüttert die Grundfeste der Paläoanthropologie.“ Sie nannte ihn Udo, weil er am 70. Geburtstag von Udo Lindenberg gefunden wurde. Udo, der Sensationsfund.  Über Nacht wurde Pforzen berühmt und mir persönlich gefällt der Titel des Schweizer Fernsehen vom 08.11.2019 „Vielleicht sind wir alle Allgäuer“.
internationale Reaktionen

Ein Familienausflug

Wenn die Witterung unsicher und die Tage kurz sind, dann ist die ideale Zeit für eine Wanderung mit der Familie. Vor allem wenn man sie mit diversen attraktiven Höhepunkten verbindet. Das gilt übrigens nicht nur für kleine Kinder, sondern auch für Studierende, wie ich immer wieder feststelle. Waren schon früher eine versprochene Einkehr oder eine Attraktion der Lockruf, so zieht dies auch 20 Jahre später noch. Wir können Anna und Tobias überreden mit uns nach Irsee zu fahren, dort erst mal Brotzeit einkaufen – den „Udo für alle“ und die sagenhaften Nussecken der Bäckerei  Koneberg. So ausgerüstet geht es vorbei an Kloster Irsee auf der Etappe 2 der Wandertrilogie Allgäu nach Pforzen.  Unser Ziel ist die Wanderausstellung um Udo, den Sensationsfund oder wie er eigentlich heißt, Danuvius Guggenmosi, zu sehen. Und wir wollen natürlich auch einen Blick in die Hammerschmiede werfen, in welcher man Udo ausgrub. Ein kleiner Abstecher vom Weg führt uns an den Rand der Grube.
Lecker: Udo-Knochen als Laugengebäck
An der Grube angekommen, haben wir allerdings nur noch einen einzigen Knochen fürs Foto. Alles andere haben wir schon gegessen: Die Nussecken und sogar Schnappi, die Schildkröte, welche vor Jahren Furore machte und die man in der Bäckerei Koneberg in Form eines Gebäcks kaufen kann. Kein Wunder, denn die kurze, knapp 4 Kilometer lange Etappe bietet genug Gelegenheiten, inne zu halten und zu genießen.
Wandermomente
Wasser und  Wald, Lehm und Sonne. Wir stellen uns das Leben vor 11,6 Millionen Jahren  vor. Damals streifte wohl Udo genau durch diese Wälder, überquerte die Bäche, sammelte Nahrung. Vielleicht stand er und seine Familienmitglieder auch hier. Genau an dieser Stelle. Wir können es uns nicht vorstellen. Zu weit weg leben wir von der Natur und sind doch auch froh um den heutigen Komfort.  Schließlich verlassen wir den Wald und kommen nach Pforzen. Ein kurzes Stück entlang der Wertach und wir sind am alten Feuerwehrhaus. Schilder weisen den Weg zur Ausstellung. Durch die kostenlose Ausstellung führen Mitglieder des Arbeitskreis Hammerschmiede. Was sie ehrenamtlich rund um Udo, den Sensationsfund auf die Beine gestellt haben, ist grandios!

In 20 Sekunden zum aufrechten Gang und seit einer Minute Menschheit

Mit einfachen Mitteln macht der Arbeitskreis deutlich, welch kurze Zeitspanne der Mensch erst wirkt. Sie haben die Erdgeschichte ganz einfach in 12 Stunden dargestellt. Uns wird bewusst, wie schnell wir dabei sind, unsere Erde zu verändern. Udos ausgegrabene Fragmente sind natürlich auch (als Replik) zu sehen. Er war ein Meter groß und wog 30 Kilogramm – mein jüngster Sohn ist knapp 2 Meter lang und wiegt wohl das Dreifache. Aber nicht nur die Uhr und andere Vergleichsmöglichkeiten bieten sich. Auch ein Spiegel lässt den Besucher angesichts des eigenen Konterfeis innehalten.
ERdgeschichte in 12 Stunden und Udo
Arbeitskreis Hammerschmieder erklärt

Katzbrui-Mühle, ein gerade in der kühlen Jahreszeit mystischer Ort

Wir haben natürlich noch mehr versprochen außer der Wanderung und der Ausstellung: Die Einkehr! Und weil die Katzbrui-Mühle mehr oder weniger auf unserem Weg, der Wiesengänger Route  der Wandertrilogie Allgäu liegt, kehren wir hier ein.  Zudem passt sie thematisch gut zu unserer Wanderung. Denn auch hier zeigt sich die Erdgeschichte anhand der Kalktuff-Quellen und anhand des Bayerischen Löffelkrauts. Außerdem ist das Löffelkraut ein echter Urbayer, der nur endemisch,  also nur an ganz bestimmten Stellen wächst.  Max Endras ist Besitzer der Mühle und des Gasthauses und hat liebevoll ein Mühlenmuseum in der ältesten, noch original erhaltenen Getreidemühle Bayerns aus dem 17. Jahrhundert eingerichtet. Wie die Menschen vor über 250 Jahren lebten, kann man sich lebhaft vorstellen. Nicht aber, wie Udo lebte.
Zeit für Stille, Katzbrui Teiche, Quellen und Kapelle
Wir lassen uns einfangen von der Atmosphäre und genießen die warmen Sonnenstrahlen in absoluter Einsamkeit.
KAtzrbui-Mühle, Zeit für eine Pause
Wie versprochen kehren wir zum Abschluss ein. Wir essen Forelle Müllerin, Forelle blau, Kässpatzen und Mühlenbrot mit geräucherter Forelle. Leider kam kurz nach unserem Besuch der bundesweite Lockdown für die Gastronomie und Kultureinrichtungen. Aber wir freuen uns schon jetzt, wenn wieder Ausstellung  und Gastronomie öffnen. Anna kommentierte unlängst unsere kleine Tour: Es war wie früher zu Schulzeiten, wo man beim Wandern Neues erfährt. Leider, so sagte sie auch, können Studierende mit dem Begriff Udo oder Danuvius Guggenmosi meist nichts anfangen. Zeit, dies zu ändern!
Katzbrui-Mühle, älteste Getreidemühle Bayners aus dem 17. Jahrhundert

Sensation Evolution – die Ausstellung

„Auf den Spuren der Urmenschen und die Grabungen in der Hammerschmiede“ lautet die Ausstellung in Pforzen. In der Hammerschmiede wurden bisher 117 verschiedene Spezies gefunden, was sie zu einer der reichsten fossilen Wirbeltier-Fundstellen weltweit macht. Es werden Funde aus der Tongrube wie auch die bedeutendsten Entwicklungsschritte in der menschlichen Evolution dargestellt. Zu sehen ist die Ausstellung erneut ab dem 1. Dezember bis Weihnachten im alten Feuerwehrhaus Pforzen, Bahnhofstraße 16, 87666 Pforzen Öffnungszeiten: Donnerstag: 17—20 Uhr Freitag: 15—19 Uhr Samstag/Sonntag: 10—17 Uhr Der Eintritt ist frei. Gruppen ab 10 Personen müssen vorangemeldet werden, Tel 08346/560 oder per Mail unter j.freuding@live.de

Die Wandertrilogie Allgäu – Auf den Spuren der Erdgeschichte

Auf Etappen der Wandertrilogie Allgäu wird Geschichte erzählt. Auf der Etappe 2 auf dem Abschnitt Pforzen-Irsee sogar die der menschlichen Evolution.  Diese Route ist ideal für Wandereinsteiger und für kurze Tage. Man legt nicht allzu viele Höhenmeter auf leichten, landschaftlich schönen Wegen zurück. Und daher ist sie gerade in der kalten Jahreszeit gut zu begehen. Für eine einfache Planung stehen dem Wanderer die kostenlose Übersichtskarte sowie das Servicebuch zur Verfügung. Weitere Informationen finden sich auf www.wandertrilogie-allgaeu.de, Tel: 08323/8025931

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