16.

Dez

Unikate aus der Schmuckstadt Kaufbeuren

Fabienne Dumas

Registrierter

experten-autor

Ich bekenne: Mir fehlen die Weihnachtsmärkte. Aber nicht wegen des Essens oder dem Glühwein, sondern weil sich hier oftmals Ideen für schöne Geschenke zeigen. Zudem ergeben sich interessante Gespräche, vielfach mit jungen Menschen, die von ihrem Traumjob erzählen. Und wie sie einen traditionellen Beruf neu leben. Heuer finde ich sie nicht auf den Märkten, kann sie aber in ihren Ateliers besuchen. Wer sich für Handgemachtes interessiert, ist im Allgäu bestens aufgehoben, besonders in Kaufbeuren. Die Stadt mit Sitz der einzigen Berufsschule für Schmuck-, Schmiede- und Glaskunst in Deutschland hat Gründern Fläche zur Verfügung gestellt. Allein in Kaufbeurens Innenstadt finden sich zehn Gold- und Silberschmieden, die handgemachte Unikate selbst herstellen. Die jüngste selbständige Goldschmiedin Franziska Stückl, hat erst 2020 ihr Atelier eröffnet. Lina Schaller und Benjamin Seifert schon 2013. Sie ergänzen sich durch ihre Ausbildung.


Franziska Stückl bei der Neueröffnung ihres Ladens

Enge Bindung an Schule und Stadt

Lina Schaller aus München und Benjamin Seifert aus Würzburg haben in Neugablonz, dem größten Stadtteil von Kaufbeuren,  ihre Ausbildung zum Silber- und Goldschmied gemacht. Die enge Bindung an Ort und Schule war der Anlass, verbunden mit dem Projekt der Stadt Kaufbeuren, günstig Ladenraum mieten zu können. Dieses Angebot haben Lina Schaller und Benjamin Seifert 2013 genutzt, um ihr eigenes Atelier im Ringweg eröffnen zu können. So ist die Berufsfachschule jetzt mit Kaufbeurens Altstadt eng verbunden, die lange Tradition lebt weiter. Die weltweit bekannte Gablonzer Glas- und Schmuckindustrie hat zwar ihren Ursprung im nordböhmischen Gablonz im 16. Jahrhundert. Doch von dort nach 1945 vertrieben wagten die Menschen einen Neuanfang – im heutigen Neugablonz. Heute sitzt hier der Bundesverband der Gablonzer Industrie und ist das Modeschmuck-Zentrum Deutschlands. In den 130 Betrieben der Gablonzer Industrie mit ihren rund 1200 Mitarbeitern wird jährlich Handgemachtes geschaffen.


Benjamin Seifert und Linda Schaller in ihrem Atelier

Handgemachtes mit absolut eigenem Stil

Lina und Benjamin dagegen fokussieren sich auf die Region: „Es spricht sich herum, dass es uns gibt. Wir haben nette Kunden in einer tollen Atmosphäre “, meinen sie. Große Schaufenster
locken nach innen. Die Wände sind anthrazit gestrichen, in goldenen Rahmen ist Handgemachtes ausgestellt. Rechts steht ein großes Sofa, über dem das selbst entworfene Logo leuchtet, ein ineinander verschlungenes L und B. Ein Rundbogen grenzt die kleine Werkstatt vom Ladenraum ab. Sowohl durchs Fenster als auch vom Laden aus kann man den beiden beim Arbeiten zuschauen.

Lina Schaller bei der Arbeit

Walzen, löten, meißeln, bohren, biegen, schmieden. Die 33-Jährige mit syrischen Wurzeln stellt am liebsten Schmuck her, unter anderem auch traditionellen Gablonzer Glasperlenschmuck. Benjamin, 36 Jahre, baut seit neuestem Bogen aus Massivholz und fertigt Messer aller Art aus Holz und Stahl. Die Stücke, ob frei entworfen oder als Auftragsarbeit sind alle ausgefallen, handgemacht und etwas ganz Besonderes.

Ich hab mich mal noch in den anderen Allgäuer Städten umgeschaut. Hier findet ihr weitere kreative Köpfe:

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