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Sep

Allgäuer Naschgeschichten: Allgäuer Eistörtchen von der besonderen Sorte

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Allgäuer Naschgeschichten: In Episode 2 lernen wir Allgäuer Eistörtchen von der besonderen Sorte kennen – und die es in sich haben. Wir sind zu Besuch bei „NaschNatur“ im Unterallgäu und lernen, dass Genuss und Achtsame Ernährung sich nicht widersprechen müssen!

Biegen Sie links ab in die Waldstraße, sagt das Navi. Hier? Wo soll denn hier eine Manufaktur sein?, frage ich mich. Ich bin auf einer Landstraße zwischen Unterroth bei Illertissen und Kettershausen, im nördlichsten Zipfel des Landkreises Unterallgäu. Da taucht linker Hand ein Hof auf. Zwar gibt es kein Firmenschild, doch im Nebengebäude sehe ich zwei Leute wurschteln. Das muss es sein: die NaschNatur-Manufaktur.

Ich klopfe an die Holztür und stehe Andrea Schlumpp und Markus Marzoch gegenüber. Ein total sympathisches Pärchen, und ein sehr mutiges noch dazu. Erst im März 2020 haben sie ihr Start-up gegründet, über den Sommer das erste Mal ihre „Nice Tarts“ verkauft, zwei Lock downs überstanden und sind jetzt voller Energie und Pläne für die Zukunft. Mit den besten Voraussetzungen, denn die „Nice Tarts“ sind mal was ganz anderes: kleine Eis-Törtchen, die am allerbesten leicht angetaut schmecken. Schön kühl, angenehm süß, fruchtig, nussig. Noch dazu sind sie reich an wertvollen Nährstoffen und absolut bio. Naschen muss nicht immer Sünde sein!


NaschNatur-Gründer Markus Marzoch und Andrea Schlumpp, @Allgäu GmbH, Silke Lorenz

Die Gründung von NaschNatur

Die Geschichte beginnt zunächst außerhalb des Allgäus – im entfernten Regensburg. Markus ist dort geboren, hat Mechatronik studiert und arbeitet gerade an seinem Comeback als Fußball-Profi. Andrea, gebürtig aus dem Unterallgäu, studiert Englisch und Spanisch fürs Lehramt am Gymnasium. Über gemeinsame Freunde lernen sie sich im Fitnessstudio kennen. Immer wieder ist die Ernährung ein Thema zwischen ihnen. Markus ernährt sich als Sportler sehr gesund, verzichtet auf Zucker, isst nur Frisches und selbst Zubereitetes. Andrea dagegen ist süchtig nach Zucker, löffelt gläserweise Nutella. „Noch nicht mal meinen frisch gebackenen Kuchen wollte er probieren, das habe ich gar nicht verstanden“, meint die 30-Jährige. Beide müssen bei dieser Erinnerung herzlich lachen. Schließlich versucht sich Andrea – sie backt gerne, aber immer ohne Rezept – an „raw cakes“. Die Rohkostkuchen kommen gut an, auch bei Freunden und Familie. Und auch bei den Fußballer-Kollegen in den USA, wo sie ein halbes Jahr leben. Immer öfter reden sie über eine eigene Firma für eine Superfood-Produktion. „Ich wollte mich schon immer selbständig machen“, erzählt Markus. Er ist die treibende Kraft, Andrea dagegen bleibt skeptisch. Schließlich schreiben sie im Urlaub in Ecuador einen Businessplan, den sie zu Hause umsetzen.


Nice-Tarts im handlichen Vierer-Pack, @Allgäu GmbH, Silke Lorenz

Viele Hürden sind mittlerweile überwunden. Jetzt wohnt das junge Pärchen im Haus von Andreas Vater in Kettershausen und hat das Nebengebäude für ihre Produktion umgebaut: Die Tiefkühlzelle steht dort, wo vorher Fahrräder abgestellt wurden. Dazwischen gibt es einen großen Lagerraum. Vom Büro gelangt man durch eine kleine Schleuse in die Küche, die wie in der Gastronomie aussieht und strikt nach den Richtlinien der Lebensmittelüberwachung eingerichtet ist.

Was sind Nice-Tarts?

Hier wird jeder Schritt rein von Hand ausgeführt: Für den Boden verknetet Andrea eine rohe Masse aus Kokos und Mandeln. Diese wird nicht gebacken, sondern ganz dünn ausgerollt und dann roh in die Tarts-Förmchen gedrückt. Der Boden ist bei allen Tarts gleich, die Füllungen gibt es in fünf Sorten: Erdbeer-Cashew, Banane-Erdnuss, Schoko-Banane, Himbeer und Erdnuss-Schoko. Sie werden aus pürierten Früchten, Nüssen, Kakao und Chia-Samen in Bio-Qualität hergestellt. Absolute Superfood-Sweets, denn sie kommen ganz ohne unnötige Füllstoffe, künstliche Süßungsmittel, Aromen, Zucker, Weizenmehl und Milchprodukte aus. Sie sind vegan, gluten- und laktosefrei. „Man schmeckt den industriellen Zucker einfach raus, auch Alternativen wie Agavendicksaft oder Kokosblütenzucker. Wir nehmen stattdessen eben hochwertiges Obst vom Bio-Großhändler und verarbeiten die ganze Frucht. Die Süße kommt nur aus den Früchten,“ betonen die beiden. Gemeinsam füllen sie die Fruchtmasse mit einem Fondant-Trichter in die Tarts. Diese kommen sofort in den Schockfroster und dann weiter in die Tiefkühlzelle. „Ohne Konservierungsmittel etwas Frisches herzustellen, war schwierig. Deshalb haben wir unsere Tarts kurzerhand eingefroren. So ist ein ganz neues Produkt entstanden, was auch meine Gelüste nach Süßem stillt“, schmunzelt Andrea. Inzwischen verzichtet auch sie komplett auf Zucker und ernährt sich ebenso gesund und nachhaltig wie ihr Freund.


Böden werden ausgestochen, dann in Förmchen gedrückt, @Nice Tarts

Danach wird die Fruchtmasse mit einem Fondant-Trichter in die Tarts gefüllt, @Nice Tarts

Bio ist unsere Philosophie

Die Eistörtchen als handliches Vierer-Pack findet man daher im Tiefkühlregal beim Speiseeis. Mittlerweile gibt es die „Nice Tarts“ an 22 Verkaufsstellen, darunter Bio-Supermärkte, Unverpackt-Läden, Cafés, ein Hotel … und es gibt immer mehr Anfragen nach ihren Produkten, auch von größeren Supermärkten. „Damit haben wir gar nicht gerechnet. Bisher stellen wir on demand her, also auf Bestellung. Das klappt gut. Nur manchmal rudern wir, wenn kurzfristig eine Lieferung mehr benötigt wird“, meint Andrea. „Routine haben wir bisher nur in der Produktion, noch nicht aber in der Organisation und Verpackung. Da probieren wir noch viel aus, es ist learning by doing. Tiefkühlkost ist die Königsdisziplin, die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden“, sagt Markus, der sich total über ihren schnellen Erfolg freut.


Handliches Vierer-Pack mit Nice-Tarts, @Allgäu GmbH, Silke Lorenz

„Wir kaufen nur Bio, wir wollen nur Bio, wir sind einfach Bio. Deshalb passt unser Produkt perfekt zu uns“, sind sich beide sicher. Mit dieser Philosophie wollen sie ihr Angebot erweitern. Auch nicht tief gekühlte Produkte wie Müsli oder Kekse haben sie schon im Kopf. Doch davor steht momentan die entscheidende Frage: „Wie groß wollen wir werden? Mehrere Produkte und mehr Kunden heißt auch mehr Mitarbeiter, wesentlich größere Maschinen und größere Räume. Oder legen wir uns doch nur eine Teigausroll- und eine Dosiermaschine zu?“, überlegt Markus. Der 31-Jährige würde am liebsten sofort loslegen, Andrea bremst ihn liebevoll aus. Es gibt doch viel zu bedenken vor so einem Schritt. Aber die beiden waren bis jetzt so mutig, flexibel und kreativ. So werden sie auch die Zukunft wuppen – ein Power-Pärchen mit 100 Prozent Superfood.

Info:
NaschNatur
Waldstraße 23
86498 Kettershausen
Tel. +49 176 61769239
www.naschnatur.de

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